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Wahrscheinlich war „Clearmind“ nie danach konzipiert, den Merkmalen eines Slashers zu folgen, obgleich dies infolge von Rachegelüsten mehr als offensichtlich schien. Vielmehr stützt sich Regisseurin Rebecca Eskreis auf die Möglichkeiten von Virtual Reality, was sich jedoch nie wie eine solche anfühlt.

Vor einem Jahr starb Noras Tochter während einer Poolparty. Mithilfe ihrer besten Freundin Lily testet sie eine therapeutische, virtuelle Realität aus, die ihr beim Überwinden des Verlustes helfen soll. Als sich die Freunde von damals erneut zu einem Wochenende beim Haus am See einfinden, taucht Nora ebenfalls auf, - oder ist dies nur Teil ihrer virtuellen Realität?...

Der Chose wird als Grundmotiv Trauer und Traumabewältigung vorausgeschickt und sogleich stößt man bei den therapeutischen Ansätzen auf arge Widersprüche, die mit keinem psychologischen Leitfaden einhergehen. Demnach sollen Erinnerungen vergessen, sprich verdrängt werden, was eine Auseinandersetzung mit der eigenen Psyche nahezu unmöglich macht. Überdies wird während des Geschehens an keinem Merkmal deutlich, ob es sich dabei um reale Ereignisse oder eben VR handelt.

So fühlt sich die Handlung wie ein lang gezogenes Beisammensein teils verflossener oder bereits getrennter Paare an, die sich zuweilen um Kopf und Kragen reden, was leider selten witzig erscheint. Sympathieträger sind nur leidlich auszumachen und rund die Hälfte der Zeit wird einfach nur geschwafelt. Doch auch mit dem Auftauchen von Nora kommt trotz kippender Stimmung keine Spannung auf.

Zwar gibt es mehr als offensichtliche Andeutungen, wenn die gar nicht mal so schwere Axt nicht aus der Hand gelegt wird und die Stromversorgung hier und da mit Defekten zu kämpfen hat, doch Taten im Sinne des Abschlachtens sucht man hier komplett vergebens, so dass am Ende nahezu kein Blut fließt. Ergo kommt auch keine Spannung auf, während das Geschehen unter Bewegungsarmut und Konfrontationsmangel leidet.

Die bemühten Mimen können dem nur schwer entgegenwirken, gleiches gilt für die Ausstattung und die schlichte Inszenierung ohne Schnörkel. Es bleibt ein geschwätziges Unterfangen, bei dem sich Rachegelüste möglicherweise eher im Kopf der Protagonisten abspielen, während die Komponente der virtuellen Realität ohne nähere Erläuterung zur Randnotiz verkommt. Mit ansprechendem Nervenkitzel oder gar zynischer Aufarbeitung hat das Ganze zumindest wenig zu tun.
3 von 10

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