Gleich bei den ersten Tönen ist man wieder drin. Das musikalische Zitat aus Michael Giacchinos Score lässt schnell Erinnerungen an den gelungen Erstling erwachen. Und diese von Kelsey Mann inszenierte Fortsetzung schließt thematisch an diesen an. War es zuvor noch das Entwachsen aus der Kindheit und der Blick nach innen, so geht es dieses Mal um die Verfestigung der eigenen Persönlichkeit und auch die Außenwirkung.
Riley wird eben älter und wie am Ende des vorigen Films angedeutet steht hier der Eintritt in die Pubertät an. Das bedingt Veränderungen am Steuerpult und eine gewisse Unberechenbarkeit. Die bekannten Emotionen sind auch hier wieder dabei und es gesellen sich passend zum Thema des Heranwachsens ein paar dazu. Dabei steht „Anxiety“ im Mittelpunkt, drei weitere Figuren gesellen sich dazu. War das bisherige Quintett klar voneinander abgegrenzt, so wirken hier manche neue Figuren eher unscharf gezeichnet, ihre jeweilige Rolle ist dennoch erkennbar. Die nun angewachsene Komplexität aufgrund der hinzugekommenen Emotionen bewirkt erzählerisch aber auch eine stärkere Vereinfachung. Und man mag sich fragen, ob Riley ihren Gefühlen willenlos ausgeliefert ist oder warum Dinge wie Vernunft nicht thematisiert werden. Das war im Erstling auch schon so, doch dort konnte man aufgrund des neuartigen Szenarios darüber leichter hinwegsehen.
Humor ist wieder vorhanden, wenn auch für mein Empfinden nicht mehr in der Ausprägung wie zuvor. Dennoch gibt es einige gelungene Szenen und Ereignisse sowie Anspielungen auf andere Werke. Das Tempo ist insgesamt in Ordnung, „Inside Out 2“ macht keine zu großen Umwege und die Wechsel zwischen der Außen- und Innenwelt sind meist gut gesetzt.
Visuell gibt es nichts zu meckern, die Animationen und das Design sind fein. Die Visualisierung mancher Stationen ist nicht mehr ganz so überraschend frisch wie im ersten Teil, was man aber schwerlich ankreiden kann, da die Fortsetzung auf dem damals noch Neuen aufbaut. Dennoch schafft es auch Teil zwei, Abstraktes in eine Form zu gießen und so zugänglich zu machen. Auch die Figuren sehen wieder chic aus, allein deren dynamische Oberfläche ist in ihren Details immer wieder ein Hingucker. Und erzeugt das eingangs erwähnte musikalische Zitat ein wohliges Gefühl, so bleibt vom Rest des Scores dieses Mal nicht viel hängen.
„Abandon Broccoli!“
Letztlich ist es die Mischung, die die Persönlichkeit ausmacht. In der Fortsetzung formt Pixar diese weiter und ist das Ergebnis auch nicht mehr ganz so rund wie der Erstling, so ist auch „Inside Out 2“ ein schöner Animationsfilm mit seinen Einblicken in das Leben der Emotionen in uns. War Teil eins aufgrund seiner Begrenzung auf fünf noch geordneter, so wirken hier nicht alle Figuren zwingend notwendig. Dennoch eine sehenswerte Fortsetzung.