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"Inside Out 2": Wenn Gefühle erwachsen werden

Inside Out 2 nimmt uns erneut mit in die bunte und emotionale Gedankenwelt von Riley Andersen, die inzwischen 13 Jahre alt ist und an der Schwelle zur Pubertät steht. Das bedeutet: neue Erfahrungen, neue Unsicherheiten – und vor allem neue Emotionen. Regie-Debütant Kelsey Mann schafft es, den Zauber des ersten Teils aufzugreifen und behutsam zu erweitern. Dabei wird schnell klar: In Rileys Kopf wird es enger, lauter und – nicht zuletzt dank Maya Hawkes grandios gespielter Anxiety – deutlich chaotischer.

Die Prämisse bleibt ähnlich wie im Vorgänger: Emotionen als Team im Inneren eines heranwachsenden Mädchens, das mit den Herausforderungen des Lebens kämpft. Doch wo Inside Out durch seine Einfachheit und emotionale Klarheit bestach, wagt Teil zwei den Schritt in komplexere psychologische Gefilde. Anxiety, unterstützt von Envy, Ennui und Embarrassment, bringt eine beunruhigende Dynamik ins Spiel – mit einem Kontrollbedürfnis, das Riley fast in eine handfeste Identitätskrise stürzt. Die Darstellung von Selbstzweifeln, Überforderung und sogar einer Panikattacke gelingt dabei überraschend feinfühlig, ohne den jüngeren Zuschauern zu viel zuzumuten.

Trotz der ernsteren Themen bleibt Inside Out 2 ein visuelles und erzählerisches Vergnügen. Die neuen Bereiche von Rileys Geist – wie das „Sense of Self“ oder der „Belief System“ – sind originell designt und voller kreativer Ideen. Die Rückkehr der altbekannten Emotionen wie Joy (Amy Poehler), Sadness (Phyllis Smith) und Anger (Lewis Black) sorgt für den nötigen Nostalgie-Effekt, wobei besonders Joys Entwicklung als Figur hervorsticht. Sie lernt, Kontrolle loszulassen – ein zentrales Thema für Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Allerdings wirkt der Film stellenweise überfrachtet. Die Vielzahl neuer Charaktere, Mechanismen und innerer Konflikte nimmt dem Film gelegentlich die emotionale Klarheit des Originals. Nicht jede Figur bekommt ausreichend Raum, und manche Nebenhandlungen, wie etwa der Running Gag mit „Nostalgia“ oder die Popkultur-Anspielungen (z. B. Lance Slashblade), wirken eher wie Füllmaterial.

Trotzdem bleibt Inside Out 2 ein würdiger Nachfolger, der mit Mut, Witz und einer großen Portion Einfühlungsvermögen zeigt, was in der Pubertät wirklich in einem Menschen vorgeht. Der Film richtet sich weniger an Kleinkinder als an ein Publikum, das bereit ist, sich mit emotionaler Komplexität auseinanderzusetzen – und genau darin liegt seine Stärke. Wer den ersten Teil liebte, wird hier einen reiferen, tiefgründigeren Blick ins Innere erleben. Nicht perfekt, aber absolut sehenswert.

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