Der junge Kanadier Richard Hannay besucht im Rahmen seines Großbritannienurlaubs die gut besuchte Vorstellung eines Gedächtniskünstlers, die durch plötzlich fallende Schüsse abrupt beendet wird. Auf dem Weg nach draußen macht er die Bekannschaft einer Unbekannten, die ihm auftischt, sie sei eine Agentin und die Schüsse hätten ihr gegolten. Hannay glaubt ihr zunächst nicht, lädt sie aber trotzdem zu sich nach Hause ein. Als er vor seiner Wohnung einen Fremden stehen sieht und zweifelt er an seinem Misstrauen, um dann durch ein Messer im Rücken der Agentin vollends überzeugt zu werden. Hannay, der jetzt des Mordes verdächtigt wird, flüchtet vor der Polizei und dem feindlichen Spionagering und versucht die Mission der Ermordeten fortzusetzen.
Auf seiner Reise nach Schottland, wo der Chef des Spionagerings sitzt, lernt er seine spätere Verbündete Pamela kennen, die ihn aber bis dahin noch in einige Schwierigkeiten bringt. In Schottland übernachtet er auf dem Hof eines eifersüchtigen Bauern, entkommt durch großes Glück dem Boss des Spionagerings, sowie einem korrupten Polizeichef und kann auch seine letzten beiden Verfolger abschütteln, indem er an Pamela gefesselt, ein Liebespaar mimt und in einer Pension Unterschlupf findet. Das Finale führt ihn nach London, wo er - in den Fängen der Polizei stehend - der Geschichte ein Ende macht.
In DIE 39 STUFEN trifft man auf ein häufiges Motiv in Hitchcock-Filmen: Ein Unschuldiger wird eines Verbrechens bezichtigt und versucht der Staatsgewalt zu entfliehen und gleichzeitig den Verantwortlichen zu stellen. Nur hat in diesem Fall der Protagonist noch mit feindlichen Mächten zu kämpfen. Andere Beispiele hierfür sind: Bei Anruf Mord (1954), Der falsche Mann (1956), Der unsichtbare Dritte (1958), Frenzy (1972) u.a.
Auch in diesem Film wird subtile Gesellschaftskritik deutlich. Am auffälligsten in der Szene, in der Hannay, auf der Flucht vor seinen Häschern, in eine politische Kundgebung platzt, für den verspäteten Hauptredner gehalten und gebeten wird, nun zu beginnen. Hannay - ohne zu wissen, wer er sein soll und für welche politische Richtung er eintritt - begeistert den gefüllten Saal mit eloquent vorgetragenen populistischen Worthuren über die Freiheit des Individuums, begleitet von einer überzeugenden Gestik. Wobei er hier aufpassen musste, den rechten Arm, an dem sich eine Handschelle befand, nur dezent einzusetzten.
Ein weiteres Merkmal in Hitchcock-Filmen ist der behutsame Spannungsaufbau, für den sich der Regisseur trotz der grundsätzlich temporeichen Inszenierung Zeit nimmt. Als Hannay z.B. in der Zeitung des Bauern liest, dass er verfolgt wird, wächst zunächst das Misstrauen von dessen Frau zum Verdacht bis hin zur Gewissheit.
Am etwas verunglückten Ende des Films erfahren wir auch noch, dass reine Gedächtnisleistung nicht immer auf überdurchschnittliche Intelligenz angewiesen ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass DIE 39 STUFEN (1935) ein solides, aber doch etwas angestaubtes Frühwerk Hitchcocks ist, in dem sich schon die Erfolgsgaranten seiner späteren Werke andeuten, der ferner eines gewissen - auch satirischen - Witzes nicht entbehrt und objektiv gesehen darstellerisch überzeugt, wenngleich Robert Donats Art nicht jedem liegen muss.