"Die 39 Stufen" darf man wohl noch zum Frühwerk Alfred Hitchcocks rechnen, entstand der Film doch noch in den dreißiger Jahren in England. Es handelt sich um eine Adaption des Spionageromans des schottischen Schriftstellers John Buchan. Daraus ist bei Hitchcock eine spannende, aber auch immer wieder sehr komische Geschichte geworden.
So fallen während eines Auftritts von "Mister Memory" in einem Londoner Variete Schüsse. Das Publikum drängt zum Ausgang hin. Die geheimnisvolle Annabelle Smith begegnet hier dem jungen Kanadier Richard Hanney, der ihr anbietet sie mit zu sich nach Hause zu nehmen, als sie schildert, dass sie keinen Ort habe, an dem sie sicher sei. Im Hause Hanneys vertraut sie ihm an, dass sie eine Spionin sei, die einem gefährlichen Spionagering auf der Spur sei, der sich "die 39 Stufen" nenne. In der Nacht wird Annabelle erstochen, sie kann Hanney gerade noch auf die Spur ihrer Mörder verweisen, die nach Schottland führt. Hanney macht sich auf den Weg in Schottland, um den Kopf der Bande oder weitere Hinweise zu finden. Inzwischen wird er aber als Mörder Annabelle Smiths von der Polizei gesucht. Auf seiner Flucht erst nur vor der Polizei, später auch vor den Agenten des Spionagerings begenet er der attraktiven Pamela, mit der er zwischenzeitlich mit einer Handfessel verbunden ist. Glaubt sie seiner Geschichte anfänglich noch nicht, erwächst Hanney in ihr eine wichtige Verbünderte. Der Kreis schließt sich, wenn am Ende - erneut bei einem Auftritt von "Mister Memory" - nicht nur der Fall aufgelöst, sondern alle ausgeworfenen Handlungsfäden wieder miteinander verbunden werden.
Schon in der Konstruktion der Geschichte (am Ende kehrt man zum Ausgangspunkt zurück) zeigt sich meines Erachtens das Geschick Hitchcocks. Auch sonst habe ich mich gut von dem Plot unterhalten gefühlt - insbesondere die zahlreichen humoristischen Einfälle setzten immer wieder einen gelungenen Kontrapunkt zu dem spannenden Handlungsverlauf.
Das Schauspielerensemble agiert zwar - wie in den 30er Jahren üblich - manchmal etwas zu viel, versteht aber insgesamt zu überzeugen. Insbesondere Robert Donat als Richard Hanney und Madeleine Carroll als Pamela sind hier hervorzuheben. Ihre wortreichen, recht komischen "Scharmützel" sind mehr als gelungen. Gut gefallen, wenn auch ihre Auftritte nur recht kurz sind, haben mir Godfrey Tearle als der Antagonist Professor Jordan und Wylie Watson als der geheimnisvolle Mr. Memory.
Hitchcock erzählt die Geschichte spannend, aber mit viel Humor. Auch wenn es sich noch um einen frühen Film von ihm handelt, sind schon jetzt viele seine späteren Tugenden zu finden (u.a. auch ein kurzer Cameo-Auftritt des Meisters selbst).
Insgesamt orientiert sich der Film vor allem am Prinzip des Spannungsaufbaus, dem auch die Handlung bisweilen untergeordnet wird. Ein weiteres typisches Muster ist der unschuldige Held, der im Verlauf seiner Flucht oder seiner Suche nach der Wahrheit seine Reputation wiederherstellen muss.
Es macht Spaß (im doppelten Sinne) diesen frühen Hitchcock-Streifen zu sehen.