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Während eines Tauchgangs unter dem im Pazifik treibendenen Müllkontinent, bei dem ein Peilsender gecheckt werden sollte, den man einem gigantischen Hai verpasst hat, werden der Ehemann und das Team der Wissenschaftlerin Sophia Assalas von dem gewaltigen Raubfisch attackiert und getötet, was die Frau traumatisiert zurücklässt. Drei Jahre später wird die blauhaarige Umwelt-Aktivistin Mika bei Sophia vorstellig und behauptet, das Signal eben jenes Senders orten zu können... und zwar mitten in Paris! Tatsächlich hat es den Hai von damals - bei dem es sich um das erste mutierte Exemplar einer neuen Gattung handelt, die nun auch im Süßwasser überleben kann, sich asexuell reproduziert und ständig an Größe zulegt - nun in die französische Hauptstadt verschlagen, wo er munter die Seine rauf und runter schwimmt und auch mal einen Penner wegfuttert. Da die Bürgermeisterin von Paris die Gefahr runterspielt und sich weigert, einen zeitnah angesetzten Olympia-Triathlon abzusagen, muss Sophia sich nun dringend etwas einfallen lassen, um den Hai und seine Brut unschädlich zu machen, bevor ihm die Teilnehmer wie Häppchen auf einem Tablett serviert werden... Zuerst "Hai-Alarm auf Mallorca", dann "Der Weiße Hai in Venedig"... und jetzt schwimmen die globetrottenden Raubfische halt durch die Stadt der Liebe. Wenn das so weiter geht, tümmeln sich die Haie demnächst auch noch im Bodensee (oder wo sonst einen so ein "Sharknado" auch immer hinwirbeln mag). Apropos "Tümmeln": Regisseur Xavier Gens, der 2007 mit seinem "Frontier(s)" noch auf der Welle derben französischen Splatter-Kinos gesurft ist, hat ja anschließend so einigen filmischen Schiffbruch erlitten und versucht nun wohl mit dem vorliegenden Netflix-Tierhorror-Filmchen das Ruder nochmal rumzureißen und zu einem bescheidenen Erfolg zu segeln. Allein, es wird ihm nicht gelingen, denn selbst innerhalb der inflationären Flut von Haifisch-Streifen der letzten 25 Jahre säuft sein "Im Wasser der Seine" gnadenlos ab. "Dumm" ist nämlich gar keinen Ausdruck für das, was hier Szene um Szene - eine blöder als die nächste - auf den Zuschauer niederprasselt, weswegen dieser gelackte Trash doch tatsächlich noch so manches alte Italo-Plagiat von "Der Weiße Hai" in die Schranken verweist. Selbst "The Last Jaws - Der weiße Killer" oder "Shakka - Bestie der Tiefe" wenden sich noch mit Grausen ab, wenn die handelnden Figuren da in einer Tour recht kuriose Entscheidungen treffen und eine Schwachsinns-Aktion nach der anderen verbocken, um die bescheuerte Handlung irgendwie am Laufen zu halten. Okay, die CGI-Haie sehen mittlerweile besser aus als in einem alten Direct-to-DVD-Heuler und Gens kehrt mit ein paar knappen, aber blutigen Detail-Aufnahmen von abgebissenen Gliedmaßen zumindest ein klein wenig zu seinen Wurzeln zurück, aber ein nicht völlig hirntotes Drehbuch ist da doch wohl immer noch wichtiger als ein sauberes Erscheinungsbild, oder nicht? Den Anschein einer unfreiwilligen (?) Parodie gibt sich der Streifen zudem immer dann, wenn er ganz tief in die Versatzstücke-Kiste greift und dort exakt dieselben alten Kommunalpolitik-Motive zutage fördert, die nun bereits vor annähernd 50 (!) Jahren in dem besagten Spielberg-Original etabliert wurden: Dort waren es die Strände, die nicht gesperrt werden durften, hier isses halt die Seine. Besonders perplex ist man dann aber doch ob der Öko-Message, mit der man hier hart hausieren geht, denn die Penetranz, mit der diese verbreitet wird, toppt noch so manchen Genre-Vertreter gleicher Bauart aus den 70ern... nach deren Vorbild hier übrigens auch das pessimistische Ende gemodelt wurde! Was seine Aussage betrifft ist "Im Wasser der Seine" dann auch nur noch schlichtweg schizophren, denn einerseits präsentiert er die Anliegen der Weltverbesserer-Mischpoke mit den komischen Frisuren als dringlich und akut, auf der anderen Seite ist einem die Bagage aber doch so unsympathisch, dass man nichts lieber sehen will, als dass die Haie sich an ihnen gütlich tun (was dann mittendrin sogar auch passiert, was hab' ich gelacht!). Am absolut ärgerlichsten und regelrecht schockierend ist dann allerdings der Umstand, dass Xavier Gens in seinem Drecksfilm immer wieder (ikonische?) Bilder, Einstellungen und Momente aus "Deep Blue Sea" auf eine echt peinliche Art und Weise abkopiert und dem Zuschauer dadurch permanent nochmal den Renny Harlin-Streifen ins Gedächtnis ruft, der nun mittlerweile auch schon ein Vierteljahrhundert auf dem Buckel hat, was mal echt keine so clevere Idee ist... denn der war nämlich beileibe auch damals schon kein Ausbund an Smartheit, aber doch wesentlich unterhaltsamer und funktioniert auch heutzutage immer noch weitaus besser als DAS hier...!

2/10

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