Im Fahrwasser vom "Weissen Hai"
Regiespezi Xavier Gens, der uns Horrorschocker wie "Frontiers" darbot, oder Actionkracher namens "Hitman" sollte auch mal in die nie endend wollende Haifischflossenserie einbezogen werden und sein bestes vom Stapel lassen. Der Wasserschocker wurde direkt für Netflix adaptiert, war aber nicht ganz frei von Kontroversen, da wohl zuvor ein nicht autorisiertes Drehbuch von anno 2011 des Regisseurs Vincent Dietschy dafür verwendet wurde, ergo geistiger Diebstahl vorausging.
In Paris soll ein Triathlon auf der Seine stattfinden. Allerdings hat sich ein Hai in dem französischen Fluss verirrt und treibt nun seitdem sein garstiges Unwesen. Umweltaktivisten und Meeresbiologin Sophia wollen dem Tier friedlich Einhalt gebieten, werden aber von der Wasserpolizei um den Polizisten Adil immer wieder ausgebremst, bis es den ersten Toten gibt. Da kommen auch der Polizei erste Zweifel. Nun gilt es, gemeinsam die Bedrohung aus der Seine zu verbannen, um den Triathlon ungestört von Statten gehen zu lassen, denn Frau Bürgermeisterin wehrt sich gegen die Pläne, das Grossereignis platzen zu lassen.
Gens schnappt ganz klar die Leitmotive des berühmtesten Wasserkillers auf und spielt auch mit den üblichen Genremustern des Maritim-Creature-Features. So wird eine tödliche Gefahr dargeboten und ein Grossereignis mit vielen menschlichen Opfern, die es gilt, abzuwenden und sich zum Ende hin zuspitzen soll und uneinsichtige Politiker, die solche Gefahr abtun....blablabla, was man schon alles aus unzähligen Klassikern kennt und schon vorhersehbar ist, ohne das man die Wahrsagerkugel auspacken müsste.
Es werden dabei aktuell politische Themen wie Klimawandel und Umweltverschmutzung als Aufhänger genannt um somit eine ökologische Botschaft zu versenden. Immer mit Blick auf die Seine mittels Boot bekommt Zuschauer eine schöne Aussicht auf das Pariser Leben, auch bei Nacht, was visuell beeindrucken mag, aber manchmal zu eindimensional spiegelt. Zumal der gesamte Ablauf stark an den Grachtenthriller "Verfluchtes Amsterdam" erinnert; nur mit Hai statt Taucherkiller. "Sous la seine", so der O-Titel, versucht den Plot ruhig und subtil zu erzählen, kommt somit auch ohne Gewaltexzesse zurecht. Die Spannungsschraube wird erst bei den chaotischen Jagdszenen aufgedreht. Dabei geben sich die Darsteller grosse Mühe, den Zuschauer in Schach zu halten, auch wenn der eigentliche Star selten in Erscheinung tritt.
Immerhin wird man zum Finale entschädigt, auch wenn überspitzt und etwas zu plakativ, wirds doch blutiger und actionreicher, was letztendlich in einer überbordenden Katastrophe mündet. Insgesamt ist die etwas angeknackste Chose annehmbar, doch es fehlt dem ganzen lediglich an Biss und Schärfe. Nur das übertrieben plakative Monsterfinale kann etwas hinwegtrösten.
Zwar kein "Weisser Hai" und Konsorten, aber es gab schon deutlich schlimmere Ableger. Maritimhorror, der deutlich ruhigere Töne anschlägt und in Spannung nicht versinkt.
Ist die FSK:16 Freigabe gerechtfertigt? Annehmbar, auch wenn nicht übermässig heftig gefressen wird. Da wäre wohl noch Platz nach oben gewesen. Sei es drum!