Review

Haie sind eine ebenso faszinierende wie gefährliche Spezies - dies muß auch Meeresbiologin Sophia Assalas (Bérénice Bejo) erfahren, die ausgewählte Tiere mit einem Sender ausstattet, um mehr über deren Bewegungsverläufe und Wanderungen zu erfahren. Ihr Schützling Lilith verhält sich jedoch unerwartet aggressiv und tötet bei einem Tauchgang mehrere Crewmitglieder.
Drei Jahre später hat Sophia dieses Ereignis immer noch nicht ganz verarbeitet, als sie Kontakt zu einer Gruppe junger Aktivisten bekommt, die etwas gegen die Verschmutzung und Überfischung der Meere tun wollen. Diese sind ebenfalls gut vernetzt und behaupten, ein Signal des Senders Beacon 7 und damit des Haifisch-Weibchens Lilith geortet zu haben - diese sei mittlerweile mitten in Paris und schwimme unerkannt irgendwo in der Seine.
Sophia schließt sich den jungen Leuten an, die das Tier aufspüren wollen, doch da in wenigen Tagen ein internationaler Triathlon-Wettbewerb in der Seine stattfinden soll, sperrt die Polizei das Gewässer - schließlich landen sie in einer Wachstube, wo ihnen allerdings niemand glauben will. Selbst als sie zur Bürgermeisterin vordringen, hält diese das ganze für eine Räuberpistole. Da kurz davor aber einige Granaten aus dem 2. Weltkrieg aus der Seine geborgen wurden, checkt die örtliche Wasserpolizei noch einmal die Lage - und findet natürlich nichts. Sophia und die Aktivisten konnten das Tier jedoch in den Katakomben unterhalb von Paris aufspüren - dort jedoch müssen sie feststellen, daß sich Lilith offenbar weiterentwickelt und vor allem vermehrt hat. Dem Sportevent droht eine Katastrophe...

Regissur Xavier Gens neuester Tierhorror Sous la Seine (deutsch: Im Wasser der Seine) ist von der Handlung her zwar schon eindeutig als kaum Spannung, dafür eventuell aber den einen oder anderen Lacher provozierender Trash zu erkennen, doch leider hat der ehemals im Genre der Torture-Porns beheimatete Franzose hier nur eine Handvoll dümmster Klischee-Figuren und unrealistischer Haifisch-Phantasien zusammengeschustert, die nicht einmal geringsten Ansprüchen gerecht werden.

Während also junge Leute mit buntgefärbten Haaren einen ihnen unbekannten Hai schützen wollen, glaubt die Wissenschaftlerin offenbar an eine Art Vorsehung und will ihre Lilith aus ganz anderen Gründen wieder treffen. Erwartbarerweise endet die ganze Chose dann natürlich in einer Katastrophe, denn Lilith und ihre in die Hunderte gehenden Nachkommen sind nämlich auch nicht ganz blöd und verfrühstücken die Polizeitaucher, die mal eben die Katakomben sprengen wollten. Nur Sophia bleibt von all dem Chaos verschont - na klar.

Die Aufzählung all der Logiklöcher dieses Streifens würde mal wieder den Rahmen sprengen, daher nur soviel, daß sich sämtliche Darsteller mehrfach vollkommen unlogisch verhalten, dieses unlogische Verhalten aber nur selten Konsequenzen nach sich zieht. Eher im Gegenteil: wenn bei den Aktivisten in den Katakomben eine Panik ausbricht und sie davonlaufen, sieht es eher so aus, als ob sie fast freiwillig ins Wasser springen, damit die Haie was zu fressen bekommen, und auch die Polizeitaucher warten nicht etwa, bis der Rückweg zum Boot frei ist, sondern zünden ihre scharfe Ladung schon vorzeitig. Nicht viel besser sind da einige Soldaten, die das Feuer auf den Hai eröffnen (seltsamerweise trotz automatischer Waffen aber nicht treffen), und da in der Seine ja, wie jeder weiß, noch hunderte Weltkriegsgranaten herumliegen, entschließen sich letztere zur Feier des Tages zu einem brückensprengenden Feuerwerk. Und so weiter, und so fort...

Dem Zeitgeist entsprechend sind dem Schwachsinn dann auch noch ein paar typische Zutaten beigemischt wie das Anprangern des pazifischen Müllbergs in der Anfangsszene (hier ausschließlich Trittbrettfahrerei), engagierte junge Leute (allerdings mit dem IQ einer Fischsemmel), völlig vernagelten Obrigkeitsvertretern wie der natürlich weißen Bürgermeisterin (die wortwörtlich sagt: "Vertuschen sie das!") dafür fast ausschließlich afrikanischstämmigen Wasserschutzpolizisten, die per Du sind mit den ortsansässigen Clochards und diesen Klamotten bringen (was für ein Brüller!) und von denen sich einer in Sophie verliebt, wieso auch immer.

Wenig Freude machen auch die vielen Computertricksereien, von denen die meisten nicht einmal Durchschnittsniveau erreichen: die Haibewegungen sind völlig unnatürlich, viel zu schnell und erinnern an Sharknado und Konsorten; die Explosionswolken sind deutlich als nachträglich eingefügt zu erkennen und daß ein Polizeischlauchboot wie ein hartes Surfbrett mehrere Meter aus dem Wasser gehoben wird und der Hai darunter auch fast komplett aus dem Wasser springt, gehört ebenso wie dutzende andere Blödsinnigkeiten in die Kategorie überflüssig.

Würde sich der Streifen mit seiner künstlichen Panikstimmung nicht so schrecklich ernst nehmen, würde das Drehbuch auch nur stellenweise über wenigstens einen Anflug von Humor verfügen, könnte man Sous la Seine ja als Tierhorror-Komödie so stehen lassen. In der vorliegenden trocken-langweiligen Form sind das jedoch nur 2 Punkte und nahe an der Zeitverschwendung.

Details
Ähnliche Filme