Vergleiche zwischen Jan de Bonts „Twister“ und vorliegender Mischung aus Remake und Neuaufguss bieten sich offenkundig an: Anno 1996 sprach noch kaum jemand vom Klimawandel, 2024 ist dieser so augenscheinlich, dass er gar nicht mehr erwähnt werden muss.
Vor fünf Jahren verlor Kate (Daisy Edgar-Jones) drei ihrer Freunde und hat sich seit dem Vorfall aus der aktiven Tornadojagd zurückgezogen. Als sie von ihrem ehemaligen Partner Javi (Anthony Ramos) aufgesucht wird, ihn unter Zuhilfenahme neuster Technik für eine Woche zu begleiten, willigt sie ein. Während ihrer Jagd geraten sie mit dem Team des Cowboys Tyler (Glen Powell) aneinander, der andere Absichten verfolgt als zunächst angenommen…
Naturgewalten beherrschen nicht nur die großen Leinwände, wovon vor allem kleinere Produktionen wie die von Asylum nicht nur ein Lied singen, sondern ganze Konzeptalben füllen können. Storytechnisch ist man hier allerdings auch nicht viel weiter, denn die Figuren fallen durch die Bank stereotyp aus und bringen lediglich erahnbare Entwicklungen mit. Allerdings lässt sich mit der Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren arbeiten und zumindest gibt es einige sympathische Sidekicks.
Eine ordentliche Palette detaillierter Effekte gehört natürlich zur maßgeblichen Mitgestaltung eines Katastrophenfilms und diesbezüglich lässt sich Regisseur Lee Isaac Chung nicht lumpen. Zwar gibt es keine fliegenden Kühe, doch wenn Rotorblätter einer Windkraftanlage in den Boden sausen, zahlreiche Fahrzeuge mitsamt Insassen hoch geschleudert werden und sogar Feuersäulen entstehen, kommen Genrefans voll auf ihre Kosten. Dem Sounddesign hätte man zwar etwas mehr Bombast untermischen können, doch die Wucht der Tornados kommt in regelmäßigen Abständen anschaulich zur Geltung.
Allerdings werden auch Stimmungen so rasch gewechselt wie die Titelgebenden auftauchen und wieder verschwinden. Da wird in einem Moment enthusiastisch auf einen Wirbel zugesteuert, um ein paar Takte später den Leuten eines ehemaligen Landidylls aus den Trümmern zu helfen. Immerhin bleibt die anberaumte Liebesgeschichte ihren Pfaden treu ohne dabei allzu sehr in kitschige Gefilde abzutauchen.
Die rund zwei Stunden bringen ohne sonderlichen Leerlauf auf den Punkt, was zeitgenössische Katastrophenfilme rein visuell liefern sollten, einschließlich Trümmerlandschaften und Drohnenaufnahmen. Einige Panikszenen mehr wie bei einem Rodeo oder im Kino hätten gewiss nicht geschadet, doch unterm Strich können Genrefreunde bedenkenlos eine Sichtung wagen.
7 von 10