Der alte General Sternwood engagiert den Privatdetektiv Phil Marlowe, auf dass dieser dem Erpresser seiner Tochter Carmen das Handwerk legt; bei diesem handelt es sich um einen Buchhändler namens Geiger. Der wird bald darauf erschossen und unser Detektiv landet in einem regelrechten Sumpf von verbrecherischen Umtrieben: In Geigers Laden stösst er auf den Gangster Joe Brody, der ein Foto hat, das in der Mordnacht geschossen wurde, ein Chauffeur der Sternwoods wird mitsamt Auto tot aus dem Hafen gefischt, Carmens Schwester Vivian Rutledge ist über einen gewissen Eddie Mars ebenfalls in die Sache involviert und da ist noch Sean Regan, ein alter Freund Marlows und langjähriger Angestellter von General Sternwood, der anscheinend urplötzlich mit Mars’ Frau abgehauen ist. Bald türmen sich die Leichen und Marlow hat nicht nur Schwierigkeiten damit, das ganze Durcheinander zu entwirren, sondern verknallt sich auch noch ausgerechnet in die erwähnte Vivian…
Es ist gar nicht mal so leicht, bei dem komplizierten Plot von THE BIG SLEEP den Überblick zu behalten: Die vielen Intrigen, Wendungen und verschwurbelten Hintergründe (es gibt einige Zufälle, mehrere Parteien, von denen jede was anderes will, und die Pläne der Bösewichte sind mitunter recht komplex) erschweren das Verständnis ebenso wie die ungeklärten Plotpoints (wieso ist Geiger plötzlich in seinem Bett aufgebahrt?), die Tatsache, dass gerne mal Charaktere mir nichts dir nichts aus der Handlung verschwinden (General Sternwood z.B. lässt sich nach seinem anfänglichen Auftritt nie mehr blicken und was passiert am Schluss eigentlich mit Carmen?), wie überhaupt die unübersichtliche Personenkonstellation (allein schon die vielen Namen, die man sich merken muss…).
Hat alles anscheinend auch damit zu tun, dass bereits Raymond Chandlers Romanvorlage ziemlich konfus ist und selbst Regisseur Hawks (SCARFACE, RIO BRAVO), wie er zugab, die Geschichte nicht ganz kapiert hatte. Und die amerikanische Zensur hatte ihre Finger ja auch noch drin.
Man muss sich also die zwei Stunden Laufzeit über etwas konzentrieren, um durchzusteigen, aber wenigstens wird’s einem dabei nicht langweilig und die Frage, wer zum Geier denn nun jetzt hinter all dem steckt und wie genau die Sache gelaufen ist, bleibt sowieso spannend. (Auch wenn dann der eine oder andere Punkt bis zum Ende offen bleibt.)
Der Film schlägt ja auch ein recht hohes Tempo an (irgendwie muss man die ganze Geschichte schliesslich hineinquetschen); für zusätzliche Dynamik sorgt die Kameraführung; besonders zu erwähnen sind die oft eingesetzten kurzen, schnellen Kamerabewegungen auf Details, die hervorgehoben werden sollen.
Das Interesse wird daneben hauptsächlich aufrechterhalten durch die Schauspieler: Humphrey Bogart (THE MALTESE FALCON, CASABLANCA) als misanthropischer, sarkastischer, süffisanter, bisweilen aber auch verletzlicher Zyniker, der seine Nervosität nicht immer verhehlen kann, passt schon rein äusserlich (man sieht ihm an, dass er einiges durchgemacht hat) perfekt in die Rolle und zieht aus seinem minimalen Spiel ein Maximum an Wirkung. Witzig ist, wie seinem Charme, als wäre er ein früher Bond, die Frauen reihenweise erliegen. (Natürlich bleibt der Film aber verdammt prüde – selbst Küsse werden meist so inszeniert, dass die eigentliche „Action“ von Hinterköpfen verdeckt wird –, da ist der Production Code vor.)
Seine Film-(und im realen Leben bald darauf Ehe-)Partnerin Vivien Rutledge (HOW TO MARRY A MILLIONAIRE, MORDER ON THE ORIENT EXPRESS) ist als Vivien nicht nur verdammt hübsch, sondern ist dem „Helden“ als wehrhafte Femme Fatal beinahe ebenbürtig (auch wenn sie schlussendlich doch auf die Rettung durch Marlowe angewiesen ist). Die Chemie zwischen den beiden stimmt. (Im Realen Leben gaben sich Bogart und Rutledge ja bald nach Drehschluss das Jawort.)
Es überzeugen aber auch Martha Vickers (THE BIG BLUFF) als die nymphomane und drogenabhängige Lolita Carmen oder Elisha Cook Jr. (THE MALTESE FALCON, THE KILLING, ROSEMARY’S BABY, SALEM’S LOT) als vorsichtiger Spitzel – die Nebenrollen sind durchgehend gut besetzt. Die Bösewichte bleiben vielleicht ein wenig zu blass; da sticht eigentlich nur Bob Steele (OF MICE AND MEN, REVENGE OF THE ZOMBIES, RIO BRAVO, THE ATOMIC SUBMARINE) als Canino hervor. (Der ist böööse!)
Die Grundstimmung des Filmes ist ein depressiver: Die Menschen sind allesamt Lügner, die sich gegenseitig bescheissen oder erpressen, und in irgendeiner Weise kaputt (der General, der ein wildes Leben führte und seine Töchter, die ihm in nichts nachstehen, der Gangsterboss, der sämtliche Dreckarbeit von seinen Unterlingen erledigen lässt, etc.) Mann haut sich öfters mal auf die Schnauze, der Bodycount ist relativ hoch, die Menschen sterben überraschend, schnell und laut. (Zwar nicht allzu explizit, aber durch eine geschickte Inszenierung doch immer noch „schockierend“.) Die Handlung spielt über weite Strecken in der Nacht, meist noch bei Regen oder Nebel, was auch nicht gerade besonders einladend und freundlich rüberkommt. (Der Look ist dabei natürlich hübsch düster.) Dazu passt die Musik von Max Steiner, die manchmal allerdings, zeittypisch, fast etwas zu dick aufträgt.
Fazit: Ein storymässig eher verwirrender Streifen, der aber von Hawks rasanter Inszenierung, einer düsteren Stimmung und hervorragenden Schauspielern getragen wird. Lohnt sich allein schon wegen Humphrey Bogart das Ansehen.