Review

Ich sehe tote Menschen

Bei Werken aus dem Bereich Film Noir, geht es oft nicht wirklich um das Ergebnis, den Ausgang oder die Lösung, viel mehr ist der Weg das Ziel. Und kein Film der schwarzen Serie, zeigt diese gewöhnungsbedürftige Herangehensweise wie "The Big Sleep", mit dem Traumpaar Lauren Bacall & Humphrey Bogart. Es geht um einen Privatdetektiv, der von einem reichen Mann angeheuert wird, um dem das Handwerk zu legen, der diesen erpresst. So weit, so gut. Doch die Story um Gangster, Bräute & Gangsterbräute, wird dann irgendwann so wirr & unübersichtlich, es fallen so viele Namen, Twists & tote Körper vorne über, dass man einfach gar nicht mehr mitkommt. Und trotzdem blieb mein Interesse hoch, selbst als ich den Durchblick komplett aufgegeben hatte. Den Film mit seiner düsteren & überraschend sexy Atmosphäre, gab ich zum Glück nie auf. Selten sah ich in einem Klassiker so viele Knarren auf den Bildschirm gerichtet, so viel Qualm um Nichts, so viele tote Männer & so viele doppeldeutige Anspielungen aus dem hübschen Mund einer der schönsten Frauen aller Zeiten. Eine Detektivstory, von der man einfach nicht die Augen ablassen kann, selbst wenn sich der Kopf schon dreht wie nach einem Kinnhaken von Marlowe ;). 

Bogey als legendärer Schnüffler Philipp Marlowe macht sich spätestens hier unsterblich & geht in seiner Rolle auf. Dazu die sinnliche Bacall & etliche Nebencharakter, die trotz kurzer Leinwandpräsenz nachhaltig Eindruck machen. Bacalls drogensüchtige Schwester, die sexy Bibliothekarin oder die zwei Handlanger des Bösewichts - um nur die prägnantesten zu nennen. Der bleihaltige Labyrinth-Thriller ist im Endeffekt eine unübersichtliche Liebesgeschichte für die Ewigkeit. Rau, verrucht, brutal - aber mit einem ehrlichen Herz. Wer sich also nicht von der fast schon beiläufigen Handlung unterkriegen lässt, kriegt hier einen weiteren Howard Hawks Klassiker, der mehr ist, als die Summe seiner Teile. Einzelne Szenen, Charakter oder Zitate vergisst man zwar nicht, doch insgesamt bleibt ein rauchiges Gesamtbild hängen, dass fasziniert & seines Gleichen sucht. Und selbst wenn weitere Sichtungen weiterhin verwirrt bleiben oder gar noch mehr Verwirrung stiften, kann man den Film kaum wirklich schlecht finden. Plotlöcher en masse, Sackgassen & Style over Substance - doch selten war das so unterhaltend wie in diesem Krimi-Klassiker.

Fazit: bleihaltiger Film Noir mit einer von Bogeys coolsten Rollen. Es wird geboxt, gedroht & erschossen - alles charmant & trotz wirrer Story sehr fesselnd. Nicht der beste Film der dunklen Serie, aber spielt weit oben mit!

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