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Aufgrund des Erfolges von The Set Up (1990) anberaumtes Sequel der Geschichte, einer der überschaubaren Fortsetzungsreihen der Telemovies von TVB (Television Broadcasts Limited), zu denen bspw. noch der The Mamasan Zweiteiler oder der The Iron Butterfly Dreiteiler gehören - warum man aus den jeweiligen Fernsehfilmen nicht sowieso die Möglichkeit des Entwickelns von Fernsehserien, sprich die Nutzung als jeweilige Pilotfilme aufgegriffen hat, ist im Nachhinein müßig und auch eher unmöglich zu klären. The Undercover hat zumindest erneut Lee Lik-Chi auf dem Regiestuhl zu bieten, welcher diesmal allerdings nicht das Skript selber und auch nicht mitwirkend schreibt, sondern diese Ehre den Kollegen Stephen Yip und (im Debüt) Au Kin-Yee, einem späteren langjährigen Mit- und Zuarbeiter für Johnnie To und Wai Ka-Fai, speziell für deren Milkyway Image (HK) Ltd. erweist:

Detective Qi Zhiming [ Anthony Wong ] hat seinen alten Bekannten , den zuvor auch eine Haftstrafe absitzenden Kriminellen Ah Xi [ Liu Wai-Hung ] in die Nine Brothers Society von Brother Jiu [ Felix Lok ] eingeschleust, wo er die Informationen vor allem über dessen weibliche Begleitung Mei [ Fiona Leung ] herausbekommen soll. Allerdings hat auch Mei ihre Geheimnisse, und Qis Kollege Li [ Bowie Lam ] ebenso.

Im Vorgänger ein halbes Gefängnisdrama, das Einschleusen eines Polizisten Hinter Gittern, das Heranpirschen an einen Verdächtigen, dann der Wechsel der Rollen, eine überraschende Wendung plus eine ebenso überraschende Unterstützung. Hier (im Originaltitel) direkt als zweiter Teil bezeichnet, eine weiterführende Erzählung, der Polizist befördert und mittlerweile auch Vater, der Einstieg wird deutlich entspannter, heller, lockerer von der Atmosphäre gezeichnet. Darsteller Wong ist dünner im Gesicht, wirkt wacher und frischer, es werden Erinnerungen hervorgerufen, die Ereignisse der Zwischenzeit kurz angerissen, auf der Dienststelle selbst gibt's eine Feier.

Es war nicht alles gut, was in den letzten Jahren passiert ist, es ist nicht alles Happy-go-lucky, das Leben nicht in geraden Linien vorgeschrieben, nicht alles planbar, vor allem nicht der Anderen ihre Verhaltensweisen. Eine Drogenrazzia am Hafen wird eingespielt, bei klatschnasser Nacht, es trieft vor Regen, die Pflicht ruft, die Polizei wacht. Überhaupt hat man hier viel Kontakt mit der Hak Sek Wui, der Unterwelt, beruflich sowieso, manchmal auch privat, erst eine unangenehme Pflichterfüllung, dann die Störung im Feierabend. Regisseur Lee hat zwischendurch Blood Brothers (1991) gedreht, wirkt hierfür fast wie ein Vorspiel, eine Fingerübung. Schnelle Konfrontation, schnelle Komplikation, eine gegenseitige Beleidigung im Restaurant, kurz vor der Schlägerei.

Beide Parteien schenken sich jedenfalls nichts, Rang und Ordnung zählen genauso viel oder genauso wenig wie Freundschaft und Bekanntschaft, expressives Gehabe inmitten der Öffentlichkeit. Wong ist gut wie immer, als rechtschaffener Polizist nur ungewohnt, Liu hat eine bessere Rolle als zuvor, zusätzlich wird mit Bowie Lam ein Schwergewicht ergänzt. Mehr Geld scheint die Produktion auch zu besitzen bzw. zur Verfügung zu stehen zu haben, wird auch mal runter von den Straßen und in die edlen Villen samt Pool, ein Schwimmbecken fast gegangen. Ein Grundstück mit Meerblick, die Verbrecher mit ordentlich Budget, das Wasser allerdings weniger zum Baden als zum Ertränken armer Schergen da.

Vertauschte Rollen hier teilweise, erneut eine Infiltration, ein Tarnen und Täuschen, eine Schießerei am Containerplatz, dreckig und vollgestopft der Ort, die Funken sprühen, die Kanonen rauchen, die Hüter des Gesetzes stören sich fast gegenseitig. Mit Tricks wird hier überall gearbeitet, mit Verkleidung im Kostüm, es gibt echte und falsche Polizisten, es gibt die mit dem Lehrbuch und die nach Improvisation; es ist überhaupt mehr Polizeifilm als zuvor, es gibt Konkurrenz untereinander, es gibt Support, es gibt Rapport. Wong und Lam haben '92 beide auch bei Hard Boiled mitgespielt, dort auf unterschiedlichen Seiten, zu unterschiedlichen Zeiten, hier wird viel mit- und eher gegeneinander agiert, dazu die Erweiterung mit einer Frauenrolle, die ein wenig an Tiger Cage 3 (1991) erinnert, größere und kleinere Vorbilder, hier als Fernsehfilm für TVB.

Die Augen offengehalten und die Ohren gespitzt hat man zumindest, im Film und vom Film, Andeutungen gemacht und Querverweise, die möglichen Konflikte hochgestuft und hochgeschaukelt, die Regie dabei dran an den Figuren, inszenatorisch bis auf Ausnahmen keine Bäume ausreißend. Beobachtungen werden gemacht und Wahrnehmungen, ein Attentat mit Maschinengewehren, ein explodierendes Auto, eine Hetzjagd durch hügelige Ruinen, Treppenstürzen als Folge, der Undercover als unfreiwilliger Bodyguard. Ruhe wird nur kurz gewährt, auf Taktik gegangen, auch mal die SDU instruiert, Fallen gestellt, fehlerhafte Mitteilungen gestreut. Die Welt hier als Schmierentheater, der Oberboss macht die Drecksarbeit noch selber, ein Vergnügen am Führen und am Töten, Gewalt erst verbal, dann körperlich, auch emotional.

Eine volatile Struktur, vertraut wird nur sich selber, der Schwerpunkt hier weniger auf Wong, eher Gast in seinem eigenen Film, wahrscheinlich schon zu beschäftigt hierfür, zuweilen ein größerer Cameoauftritt. Er wird halbwegs aufgefangen, seine Abwesenheit überspielt, andere Figuren in Augenschein genommen; was ab und an aber wie eine Ausrede wirkt. Eine blutige Dreiecksbeziehung ist am Eskalieren, Schusswunden werden eher weggesteckt und/oder ignoriert, ein Geschlechterkrieg hier vollzogen, eine Skrupellosigkeit, die ihresgleichen sucht. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, die Polizei ein riesiges Imageproblem, die Jagd auf die Gauner eher als Ablenkung, in schmierigsten Gebieten übrigens. Verbrecherjagd durch verwinkelte Häuserschluchten, Müll und Lecks allerorten, Dreck und Staub, die Flying Tigers als Nachhut, die Action zahlreicher, die Pumpgun als Mittel der Wahl, der kleine Dienstrevolver nur im äußersten Notfall als Unterstützung.








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