Review

Eher eine Seltenheit in der doch zahl- und auch variantenreichen Filmografie von Johnnie To; zum einen ist das Werk zugehörig zum Fernsehfilm, welches To ab 1988 bis Mitte der Neunziger zwar doch hier und da bedient hat, eine Leistung im Auftrag für den ortsansässigen Sender TVB (Television Broadcasts Limited), eingangs unter Produktion von Thomas Tang Wai-Hung, zwischendurch tatsächlich auch selber produziert. Zum anderen gehört Behind Bars und dies schon deutlich im englischen Titel erkennbar (die wörtliche Übersetzung ist 'Behind Bars in Tears') zu den Gefängnisfilmen, welche ansonsten nicht zum Portfolio des Regisseurs gehören, zumal sie aus HK stammend sowieso eher selten sind. Zwar wurde das Geschehen Hinter Gittern gerade zum fraglichen Zeitraum mit natürlich Prison on Fire (1987) und Prison on Fire II (1991) etwas bedient, zusätzlich zu (den schon weniger bekannten) Woman Prison (1988), The First Time Is the Last Time (1989) und Dragon in Jail (1990), eine kurze Hochphase also, die sich auch diese von Choi Siu-Ning geschriebene Arbeit zugute macht, und die Gunst der Stunde nutzt:

Der bis dato unauffällige Le Jie [ Lam Lei ] wurde wegen Korruption zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, wird dort aber schnell von dem erfahrenen Wen Chang [ Ng Nan-Tat ] unter die Fittiche genommen; schon als Schutz vor der Gangsterfehde zwischen 'Uncle Nine' [ Kwan Hoi-San ] und Ah Wei [ Lee Siu-Kay ].

Die Prison on Fire - Filme wurden u.a. durch Maria Corderos "The Light of Friendship" eingängig, gesungen wird hier auch, die Inhaftierten als Menschen wahrgenommen, teilweise auch die Motivationen und Hintergründe für die Taten, die Herkunft, das soziale Umfeld, die Personen in ihrer Einheitskluft auch über die Nummern, die ihnen zugeteilt wurden wahrgenommen. In Zivil 'fährt' man ein, aneinander gekettet paarweise in Handschellen, es kommt zur ersten dramatischen Situation, der vorerst letzte Besuch der Eltern am Straßenrand, und dann auch schon zur Vorgeschichte.

Eine Verhaftung wegen Korruption stand an, wurde man auf frischer Tat ertappt, bei der Übergabe und Annahme eines Geldbündels auf einem Parkplatz, der anschließende Gerichtsprozess. Das Verfahren kurz, die Strafe lang, die Tränen groß, geschrieben ist das Skript von Choi Siu-Ning, ein erstmal unbekannter Mann. Teilweise entwürdigende Prozeduren im Gefängnis, das Auskleiden bis auf die Unterwäsche vor allen, die Massenabfertigung, die ersten rauen Töne der Uniformierten, für die es zur Routine und zur Langeweile auch geworden ist; dies füllt die ersten Minuten. Die Hauptrollen spielen mit Ng, der eingangs so wirkt wie immer, und Lam, der sich eher im Fernsehen etabliert hat und dies auch länger, dort aber auch nicht so wirklich in Hauptrollen hervorgetan hat, zwei eher ungewohnte Leute, es gibt zusätzlich noch ein paar bekannte Gesichter.

Ng nimmt das Geschehen (noch) eher locker, die ärztliche Untersuchung ist nicht so seines, es wird viel geschrien im Zellentrakt, die Worte barsch, ein Frage-und-Antwortspiel, es ist kein Hotel und kein Wellnessbesuch, es ist ein 'Knast'. Eingepfercht im tristen Bau, mit Gittern vor den Fenstern, mit Mauern vor den Augen, bzw. dem Drahtzaun, die Sicht eingeschränkt, der Ort abgelegen, die Leute tragen alle das Gleiche, es wird viel gehockt, ein Zeichen der Unterwerfung, es gibt die ersten Schläge. Serien über das Thema hat der Sender selten bis gar nicht produziert, das lockt die Zuschauer nicht so an, es gab später das Tomorrow is Another Day (2014) als Erstes und Einziges, allzu viel mehr fällt auf Annhieb nicht ein, es dient nicht zur Ablenkung und nicht zur Zerstreuung.

Die Regie geht selten nach außen, man hält sich in den Baracken auf, in den langgestreckten Bauten, die Holzpritschen nebeneinander stehend, die Toiletten noch ohne wirklichen Sichtschutz mit im Raum. Es kommt zur ersten Gewalt- und Gefühlsausbrüchen, zu ersten Drangsalierung, die Hierarchie ist bestehend und fest, eine Auflehnung vergebens. Die Tage lang und gleich, klagend die Musik, ein Opfer blutend und zerschlagen im Bad, die Tagesration Reis und die Orange, das kennt man auch aus den anderen Filmen. Die Obrigkeit ist und bleibt hier eher anonym, nicht die Vertreter des Gesetzes, eher die Männer, die sich auch über allen stehend fühlen. Blessuren im Gesicht und sichtliche Verletzungen werden ignoriert und darüber hinweggeschaut, ein erster Gefangenenausbruch bzw. der Versuch dessen ist von vornherein gescheitert, der Versuchende, gespielt von Wong Yat-Fei gehört auch sichtlich nicht in eine Strafanstalt, eher in eine psychiatrische Klinik.

Privatsphäre existiert hier selbst an Besuchertagen nicht, alle sitzen dicht an dicht gedrängt und nebeneinander, hören die Gespräche der Anderen, deren Streitigkeiten und Vorwürfe mit, der Film als Drama, mit ständig Konfrontation, jetzt nichts für die Actionklientel wie bspw. Island on Fire a.k.a. The Prisoner (1990) hin angelegt. Tage vergehen, Wochen, Monate, so genau weiß man das nicht, es treten Veränderungen von außen ein, bei den Personen im 'Bau', im 'Kittchen' nur vereinzelt und bloß zögerlich. Eine Mentorenschaft wird hier versucht, eine Resozialisierung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft eher nicht. Manche suchen Rückhalt in der Religion, es sind die wenigsten. Manche Szenen scheinen auch absurd von der Anlage und der Umsetzung her, einer stibitzt sich beim Arbeitseinsatz zum Glücksspiel (mit dem ÖPNV, in Anstaltskleidung wohlgemerkt) davon, der andere lässt sich Suppe von seiner Mutter währenddessen bringen; das gibt zweimal Einzelhaft, es gibt sicher schlimmeres. Direkt nach draußen an die frische Luft geht es sonst selten, einmal wird man ins Büro der CID einbestellt, zur Befragung, einmal darf man zur Beerdigung, ansonsten ist der Film so braun wie die Kluft, die man tagein, tagaus trägt, die Sichtweise ist streng aus der Perspektive der strafrechtlich Verurteilten, oftmals wird es nicht besser, es wird nur schlechter; das schweißt zuweilen zusammen, man unterstützt sich ab und an, Freundschaft vielleicht nicht, eine Kameradschaft schon eher.







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