Review

Deadpool braucht Wolverine, um seine Timeline inklusive Freundeskreis und Geburtstagsparty vor der Vernichtung zu retten. Doch der ist seit LOGAN toter als ein Papagei in einem Monty Python-Sketch. Also bedient er sich der TVA (Time Variance Authority, fragen Sie Loki), um sich einen Parallelwelt-Wolverine zu besorgen. 

Ihr dachtet, THE FLASH hätte die Sache mit den alternativen Timelines mit seinem Nicolas Cage-Superman auf die Spitze getrieben? Willkommen im Marvel Crazy Multiverse – Eintritt nur mit Marvelführerschein! 

Schon die ersten beiden DEADPOOL Filme waren ein mixed bag aus gelungenen Metagags und sehr viel sehr pubertärem, vulgärem und gewalttätigem Humor. Der dritte Film nun dreht die Gewaltdarstellung noch mal ordentlich auf, leider zu Lasten des Humors. Denn die witzig gemeinte Hyperbrutalität mit Messern in den Weichteilen, spontanen Enthäutungen, explodierenden Köpfen und anderen „Späßen“ mit literweise CGI-Blut zu ironisch gemeinten Popsongs, ist schon lange auserzählt. 

Auch die Actionchoreographien lassen diesmal zu wünschen übrig – Shawn Levy (SHAZAM!) ist eben kein David Leitch, die Fights sind ziemlich generisch und stammen sichtlich vielfach aus dem Computer. Doch nicht nur die Action ist lahmer als gewohnt, es gab auch noch kein anderes Deadpool-Werk mit derart ausschweifender Exposition. Das wird zwar auch gleich thematisiert, logisch, es hilft nur nichts gegen die langweilige Laberei. Wer vorab nicht einen guten Teil des Marvel-Kanons gesehen hat, insbesondere zumindest die erste Staffel LOKI, ist ohnehin verloren und wird die meisten Gags nicht verstehen. 

Denn DEADPOOL & WOLVERINE ist natürlich nicht nur der wahr gewordene feuchte Traum von Ryan Reynolds, der nun endlich seine Bromance mit Hugh Jackman auf der Leinwand entfalten kann, sondern vor allem der von zahlreichen Marvel-Fans. Diese werden AUSFLIPPEN angesichts der Querverweise auf ihr Universum, die hier im Minutentakt gedropt werden und bei den zahlreichen Cameos, die aus dem Film eine Art EXPENDABLES für Comicnerds machen. 

Am stärksten ist der Film, wenn er alle Wände zwischen sich, den Zuschauern und der Filmindustrie einreißt und in alle Richtungen austeilt, von Disney bis zu Reynolds himself – auch wenn der ständige Kraftworthumor schnell nervt. 

Am schwächsten ist der Film wie auch schon seine Vorgänger, wenn er ernsthafte Storyanwandlungen bekommt und wir als Zuschauer etwas anderes fühlen sollen als unser Zwerchfell. Zwar gibt Emma Corin eine überraschend charismatische Superböse, aber eben auf (gutem) Comicniveau. 

Erst beim Abspann gibt es wirklich was fürs Herz, wenn nämlich Behind the Scenes-Material, Interviewausschnitte und Outtakes aus den alten Marvelfilmen laufen. So wird DEADPOOL & WOLVERINE auf unwahrscheinliche Weise nicht nur zum ultimativen Marvelfilm – es könnte gut auch der letzte sein, es wäre der passende Abschluss einer Reihe, die ihre besten Filme lange hinter sich hat. Wiederbelebt wird das MCU hier jedoch nicht. Eher angemessen zu Grabe getragen.

Details
Ähnliche Filme