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Eine Inhaltsangabe erübrigt sich, denn was dieser dritte Film um den herumsabbelnden Comichelden Deadpool erzählt, ist völlig egal. Der von Shawn Levy inszenierte Film ist eine einzige Aneinanderreihung von Cameos, Metawitzen, Verweisen und parodistischen Einschüben. Diese reichen in alle Richtungen, ein System braucht es da nicht, da hat man wohl einfach alles mal ins Skript geworfen, was irgendwie filmwirtschaftlich oder kulturell einen Platz in der Medienlandschaft hatte. Abseits dessen tritt das Werk in seiner Selbstverliebtheit einfach mal zwei Stunden auf der Stelle. Und das zieht sich.

Aufmerken mag man immer dann, wenn Deadpool seine Maske abzieht. Das ist dann die Ankündigung, dass Ryan Reynolds schauspielern will. Da er aber eh nur seine begrenzte Anzahl von Darstellungsarten zum Besten gibt, stempel ich selbst diese Aktionen mal als selbstreferentiellen Running Gag ab. Es ist ein weiteres Problem des Films: in dem ganzen Wust an Witzen und dem Durchbrechen der vierten Wand sowie dem Verhohnepipeln von Disney, Fox oder allerlei Filmen und Figuren aus der Genre-Geschichte stellt sich schnell eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber allem auch nur ansatzweise nicht blödelig gemeinten Content ein. Worunter eine Figur wie Wolverine und dessen Szenen ernsthaft leiden.

Und ja, natürlich legt es der Film und auch seine ganze Reihe vorsätzlich auf diese Art der Unterhaltung an, aber hier ist einfach schnell die Luft raus. Es fehlt das Gegengewicht. Nahezu alles, was dem fünfköpfigen Skript-Team einfällt und an das es seine gedanklichen Griffel kriegt, um es irgendwie vor die Kamera zu werfen, verpufft einfach irgendwann in der Masse. Wenn schon in der Anfangssequenz fünf mal Deadpools Arsch visuell thematisiert wird, beömmelt sich dann jemand beim achten Mal immer noch darüber? Also außer Reynolds selbst?
Dazu ist „Deadpool & Wolverine“ auch eine ganze Ecke zu lang. So ohne Inhalt, Erzählung, irgendwas. Nicht einmal die generelle visuelle Präsentation zwischen Steinwüste, Wäldchen und Soundstage reißt viel. Zugegeben, er hat ein paar witzige Momente, hier und da zündet mal was. Dennoch ist das auch rein auf der Humorebene letztlich Masse statt Klasse und in seinem Stil repetitiv. Gilt auch für die überall spritzende rote Suppe. Härte kommt da nicht rüber, denn zum einen kommt das alles aus dem Rechner, zum anderen weiß man um die Unkaputtbarkeit der beiden Titelfiguren. Konsequenzen also Fehlanzeige. Für die sich auf dem Papier bietenden Möglichkeiten ist die Action selbst dann auch wenig memorabel choreographiert oder auch geschnitten (Gruppenangriff). Und trotz der (nachvollziehbaren) Verurteilung der Multiversums-Idee des MCU – der Film benutzt sie ja selbst. Oder ist das auch schon wieder Meta? Dass man das, was man als saudumm hinstellt, dann selbst ausgiebig benutzt, ohne dass der Satz zu einem zufriedenstellenden Ende

„Aim for the middle and you'll never miss.“

Wenn ich mir die Wertungen ansehe, liegt's am Ende wohl am mir. Genug Leuten scheint es zu gefallen, also hat „Deadpool & Wolverine“ wohl einiges richtig gemacht. Und das ist vollkommen okay. Ich bin eben nicht die Zielgruppe für die angekündigten Posen, die bei manchen für ein feuchtes Höschen sorgen, die vielen Cameos, die endlosen Verweise auf die Comic- und Filmkultur, die erzwungen coole Inszenierung, den selbstverliebten Fanservice, die Zeitlupen. 
Der Film findet sich selber durchweg hammergeil und fordert sein Publikum auf, es ihm gleichzutun. Hat wohl funktioniert. Glückwun$ch.

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