Künstliche Intelligenz: Über Nutzen und Gefahren wurde hinlänglich berichtet, doch interessant wird erst der Einsatz in spezifischen Bereichen, die über Leben und Tod entscheiden könnten. Dieser faszinierenden Prämisse folgt der Justiz-Thriller des spanischen Regisseurs Simón Casal.
Spanien 2028: Schon bald soll ein großes Referendum eingeleitet werden, wonach die Justiz womöglich durch den Einsatz von KI automatisiert werden soll. Der Konzern welcher die Technologie von Thente entwickelte, holt die renommierte Richterin Carmen (Verónica Echegui) ins Team, doch diese ist schon bald einer Verschwörung auf der Spur…
Es ist leider keine neue Entwicklung, dass Justizapparate in aller Welt überfordert sind und selbst vermeintliche Bagatellfälle deutlich zu lange auf ein Urteil warten müssen. Wäre es wünschenswert, eben solche Fälle, die ausschließlich auf Fakten beruhen, sicher und ohne Vorurteile abzuhandeln? Was aber, wenn Zeugenaussagen benötigt werden und Richter oftmals auf Menschenkenntnis und Bauchgefühl setzen müssen? Es werden einige interessante Fragen aufgeworfen, die zunächst in Beschlag nehmen.
Jedoch entwickelt sich die Geschichte unübersehbar zu einem groß angelegten Komplott, als die Gründerin unter ominösen Umständen in einen Unfall verwickelt wird und Carmen umgehend zwischen die Fronten gerät, obgleich sie, schon ihres Berufes wegen neutral bleiben wollte. Anfangs beschäftigt sich der Stoff noch eingehender mit dem konkreten Einsatz von KI, wie etwa bei der Gesichtsanalyse bei einer Zeugenaussage, doch im Verlauf geht es immer weniger um Algorithmen, sondern eher darum, wer beim Konzern am Hebel sitzt.
Dies gestaltet sich über weite Teile zwar angemessen kühl und nüchtern, driftet allerdings sprichwörtlich ab, wenn Carmen einmal mehr im offenen Meer schwimmen geht oder am Rande mit dem Thema Schwangerschaft beschäftigt ist. Die Nachforschungen gehen ebenfalls nicht sonderlich in die Tiefe, sondern sind mehr ein Ergebnis der aufdeckenden Medien, wonach Carmen kaum selbst die entscheidenden Zügel in Händen hält. Zudem fallen die Figurenzeichnungen sämtlicher Nebenfiguren deutlich zu flach aus, um überhaupt in sie zu investieren.
Selbst zum finalen Akt gerät die Chose kaum spannend, sondern eher konventionell generisch und frei von Überraschungen. Immerhin ist der Ausgang nicht eindeutig und folgt einer Tendenz, die eher auf Vernunft denn potenzielle Manipulation setzt.
Abgesehen von soliden Darstellerleistungen und einem passablen Handwerk entwickelt die Story trotz der ansprechenden Ausgangslage kaum Zugkraft, wonach sie im austauschbaren Einheitsbrei ähnlich gelagerter Thriller untergeht.
5 von 10