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Im Jahr 1977 zieht der durchaus charismatische, leicht sozialistisch angehauchte Prediger Jim Jones mit einem Großteil seiner Anhänger, die oft Außenseiter in der US-Gesellschaft waren, von San Francisco ins südamerikanische Guyana. Dort hat er günstig Land von der sozialistischen Regierung in Georgetown erworben, um einen selbstbestimmten, freien Ort für sich und seine Anhänger zu schaffen. Berichte über Zwangsmaßnahmen und Gewalt von besorgten Angehörigen veranlassen den US-Kongressabgeordneten Lee Ryan, vor Ort in Guyana mit Journalisten die Lage zu sondieren. Zunächst scheinen die Vorwürfe unberechtigt, doch dann eskaliert die Situation...

Schon immer hat mich die Geschichte von Jim Jones und seinem People's Temple fasziniert. Als Kind habe ich entfernt den erschütternden Massenselbstmord mitbekommen, natürlich nicht wirklich verstanden, aber ein Interesse an dieser Geschichte hatte ich seitdem immer. Zudem hatte ich Ende letzten Jahres eine interessante Dokumentation auf Arte über den Fall gesehen. Besonders faszinierte mich bei Jones seine Mischung aus religiösen und sozialistischen Ideen, die eine merkwürdige, unausgegorene Ideologienmelange waren, aber dennoch gerade auf Außenseiter der westlichen Leistungsgesellschaft anziehend war (so war ein relativ großer Anteil seiner Anhänger Afroamerikaner und in seinen Predigen wandte er sich immer wieder gegen Rassismus als eines der Grundübel der modernen Gesellschaft).

Der Film "Guayana - Kult der Verdammten" (warum eigentlich Guayana und nicht Guyana? Naja, egal...) von Trashgranate Rene Cardona jr. ist ein erstaunlich ernsthafter, relativ wenig spekulativer Film über die letzten Monate der Sekte (kurz vor dem Umzug nach Südamerika und danach). Teilweise etwas holperig inszeniert mit einigen abstrusen Schnitten, aber getragen von soliden Schauspielerleistungen (v. a. Stuart Whitman ist wirklich gut als Jones!) und einem halbwegs stimmigen Drehbuch, bietet der Film einige interessante und verstörende Einblicke in den Sektenalltag und besonders in Jones' selbstherrliche Persönlichkeit, die nicht die geringste Kritik ertrug und am Ende schön paranoid mit einigen Merkmalen des Führerprinzips war. Einige "sleazige" Szenen bei den Bestrafungen gibt es (wo sich die Frage stellt, wie nah sie an der Realität sind) und außerdem einige neue Erkenntnisse, so, dass Jones samt seiner Sekte damit drohte, in die UdSSR auszuwandern, was die US-Botschaft in Guyana dazu bewog, sich abwartend gegenüber der Sekte zu verhalten, ohne wirklich einzugreifen, obwohl es recht genaue Berichte über Misshandlungen in Jonestown gab. Zu groß wäre der Gesichtsverlust in der Weltöffentlichkeit gewesen...

Die letzten Szenen des Films (der Massen-selbst-mord) sind Cardona überraschend intensiv und beklemmend gelungen und auch hier wird sich relativ eng an die Realität gehalten: Jones wird am Ende durch eine Schusswunde am Hals tödlich verletzt, noch bevor er den Giftbecher ansetzte. So wurde er laut Untersuchungsbericht auch vorgefunden...

Somit ist der Film eine erstaunlich seriöse Nacherzählung des Geschehens und auch eine Charakterstudie eines zutiefst egozentrischen und doch charismatischen Religionspopulisten. Trotz seiner Trashhistorie hat Rene Cardona jr. sicher einen seiner besten Filme damit hingelegt. CMV hat eine schöne deutsche DVD vorgelegt mit einer etwas zweitklassigen Synchronisation (es gibt auch englischen O-Ton), die die Anschaffung bzw. die Sichtung lohnt.

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