Der Sektenführer James Johnson gründet in Guayana mit seinen Anhängern ein Dorf namens Johnsontown, in dem paradiesische Zustände herrschen sollen, doch wenn jemand aus der Reihe tanzt, ist es schnell vorbei mit dem Paradies, denn dann stehen Strafen an der Tagesordnung und als eine Untersuchungskommission vorbeischaut, gerät die Sache völlig aus dem Ruder.
Hui, wenn man zu einem Beitrag aus der Trash Collection von cmv greift, dann möchte man eigentlich unterhalten werden und sich über die billige Machart des Filmes oder die wahnwitzige Geschichte amüsieren. Wenn man jedoch mit dieser Erwartung "Guayana - Kult der Verdammten" einlegt, der eben in dieser Reihe erschienen ist, dann wird einem bald klar, dass man sich das Trashvergnügen abschminken kann, denn es wird die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Jonestown-Massakers erzählt, bei dem am 18. November 1978 der Sektenführer Jim Jones seine über 900 Anhänger zum Selbstmord trieb und bei Nichtbefolgung Gewalt anwendete. In wieweit das Gezeigte den Tatsachen entspricht mag ich nicht zu beurteilen, aber nach dem Überfliegen von Artikeln zu dem Thema denke ich, dass sich Regisseur, Produzent und Drehbuchmitschreiber Rene Cardona jr., dessen Namen man eher mit erheiternden Werken verbindet, eng an den realen Ereignissen orientiert hat, wobei sämtliche Namen abgeändert wurden (aus Jim Jones wurde beispielsweise James Johnson und dementsprechend aus Jonestown Johnsontown).
Der Film beginnt mit einer Rede des Sektenführers (sehr glaubwürdig gespielt von Stuart Whitman) in San Francisco, in der er die Idee der Schaffung eines Paradieses in Guayana vorstellt und dann sind wir auch schon mitten drin im Dorfleben, wo sich nach und nach bemerkbar macht, dass nicht alles Paradies ist, was glänzt. So werden ein paar Kinder beim Versuch erwischt, Nahrung zu stehlen, was der Guru nicht duldet und nach einer öffentlichen Versammlung, bei der die Eltern der Lauser offensichtlich beeinflusst von der Rede des Führers für Bestrafung plädieren, setzt es Strafen in Form von Schlangen-, Wasser- und Stromfolter und ein Liebespaar, das sich ohne Erlaubnis der körperlichen Lust hingab, muss sich öffentlich mit einem Partner der Wahl des Anführers dem Liebesspiel hingeben. Diese beiden Szenen sind es dann auch, die man als überzeichnete Exploitation ansehen darf, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass sich solche Situationen tatsächlich zugetragen haben.
Ansonsten herrscht Hunger unter der arg arbeitenden Gemeinschaft und Krankheiten machen sich breit, doch nach außen hin wahrt man den paradiesischen Anschein. Als aber eine Untersuchungskommission, deren Beratungen im Vorfeld und deren Anreise sich für meinen Geschmack etwas ziehen, in das Dorf kommen und einem Teil der Bewohner entlocken, dass sie weg möchten, was die Gesandten in die Tat umsetzen wollen, kommt es zu Angriffen auf die Fluchtwilligen und zum anschließenden Massen"selbst"mord, der als schlimmes Verbrechen in die Geschichte einging und von dem wohl jeder schon mal etwas gehört hat.
Die Umsetzung des Ganzen ist mit Ausnahme der beiden erwähnten Folterszenen ruhig, doch selbst wenn man nicht weiß, worauf das Ganze hinauslaufen wird, so kann man es erahnen, denn die Lage spitzt sich merklich zu und das Gefühl des Zusammenbrauens wird durch die Musik verdeutlicht.
Alles entlädt sich dann in dem intensiven und schockierenden Finale, in dem der Angriff auf die Kommission und die Sektenrückenkehrer und der Massenmord gezeigt werden, welche überzeugend gespielt und gefilmt wurden, was einen das Ges(ch)ehene nicht so schnell vergessen lässt.
Insgesamt ist "Guayana - Kult der Verdammten" eine bewegende und nachdenklich stimmende Verfilmung, die auf den Ereignissen des Jonestown-Massakers beruht und sicher nicht für zu dem Vergnügen führt, welches man durch die Veröffentlichung im Rahmen der cmv Trash Collection erwartet.