Ausgerechnet der als Trashfilmer verschriene Mexikaner René Cardona Jr. („Tornado“) war es, der als erster, nämlich direkt im darauffolgenden Jahr, den spektakulären Massen(selbst)mord der US-Sekte „Peoples Temple“ um Guru Jim Jones im südamerikanischen Guayana, bei dem im Jahre 1978 über 900 Menschen den Tod fanden, kinematisch verarbeitete. „Guayana – Kult der Verdammten“ entstand in mexikanisch-spanisch-panamischer Koproduktion und wurde im Stil eines dokumentarischen Dramas bzw. Thrillers gedreht, die Namen wurden leicht geändert:
„Reverend“ James Johnson steht mit seiner 1956 gegründeten Sekte immer stärker unter Beobachtung der US-Behörden, weshalb er mitsamt seinen rund 1.2000 Anhängern ins südamerikanische Guayana umsiedelt, wo er Land gepachtet hat. Unter hermetischer Abriegelung entzieht er sich so allzu neugierigen Blicken und hält seine Schäflein mit Drogen und drakonischen Bestrafungen bei Zuwiderhandlungen gegen den strengen Verhaltenskodex gefügig, während er sie systematisch ausbeutet und wie ein mit pseudosozialistischen/-antirassistischen, hippieesken und verschwörungstheoretischen Floskeln um sich werfender Despot über sie bestimmt. Dennoch gelingt es einer US-Delegation aus Regierungsangehörigen und sie begleitenden Journalisten, sich Zutritt zu „Johnsontown“ zu verschaffen. So sehr sich Johnson auch bemühte, die Delegation zu blenden – es gibt Sektenangehörige, die zurück in die USA wollen und sich der Delegation auf ihrem Rückweg anschließen. Johnson sieht das Ende seiner Sekte gekommen, lässt die Delegation und Ausreisewilligen erschießen und verordnet den Massenselbstmord seiner Jünger…
Der Prolog (der kompletten Fassung) zeigt Jones alias Johnson, wie er in Cardona Juniors Film heißt, während dessen flammenden Plädoyers für die Umsiedelung nach Guayana, wo mit „Johnsontown“ eine Art Paradies auf Erden errichtet werden soll. Im Anschluss steigt die Handlung zu einem Zeitpunkt ein, an dem der Ort oder vielmehr das Lager bereits existiert. Und um ges leich auf den Punkt zu bringen: „Guayana – Kult der Verdammten“ ist keinesfalls ein Trashfilm und hält sich auch mit exploitativer Ausschlachtung weitestgehend zurück – überraschend angesichts des sonstigen filmischen Schaffens Cardona Juniors. Stuart Whitman („Blutrausch“) mimt das Sektenoberhaupt mit einer eindringlichen Performance und unberechenbarer, dämonischer Aura. Es kommt zur Sprache, dass er sich körperlich in einem beunruhigendem Zustand befindet und die Kaltschnäuzigkeit, mit der er damit auch das Leben seiner Anhänger für wertlos erklärt, ist beängstigend. Die sich stark um einen dokumentarischen, bisweilen gar nüchternen Anstrich und Stil bemühende Handlung beleuchtet relativ detailliert die Bemühungen der Behörden, Einblicke in Johnsontown zu erhalten und auch die unterschiedlichen Interessen und befürchteten Risiken z.B. diplomatischer Natur. Dramaturgisch ist das zeitweise etwas trocken, zumal das Verhalten der USA recht kritiklos nachgezeichnet wird.
Die nachgestellten Bilder aus Johnsontown zeigen dann indes umso deutlicher, welche eigentlich plumpe, jedoch drogengestützte und bei allen Bekundungen eines friedlichen Zusammenlebens autoritär durchgepeitschte und um die Erzeugung von Abhängigkeiten bemühte Gehirnwäsche dort vor sich geht. Auf einzelne grausame Absurditäten wie die eigenwillige Züchtigung sich sexueller Verfehlungen schuldig gemacht habender Bewohner wird dann inklusive nackter Tatsachen genauer eingegangen, was dann doch in Richtung exploitativer Lagerfilme tendiert. Die psychologische Ebene, die Motivation der Anhänger und ihre Ursachen bleiben hingegen weitestgehend unberücksichtigt. Dennoch verfehlt der Film seine Wirkung spätestens dann nicht mehr, wenn das „Finale“ eingeläutet wird und der offene Konflikt mit der Delegation und den Flüchtigen entbrennt, um schließlich in die zuvor bereits geübte Umsetzung des „Massenselbstmords“ mittels Zyankali zu münden, der weder vor Kindern noch Babys Halt macht und bei allen Zweiflern kräftig nachhilft, von einem freiwilligen Suizid also keinesfalls die Rede sein kann. In diesen unter die Haut gehenden Bildern werden der Wahnsinn dieser Sektendynamik und die Verlogenheit bei gleichzeitigem Größenwahn ihres Führers endgültig verdeutlicht und obwohl sicherlich jeder Zuschauer gewusst haben dürfte, welch abscheuliches Ende die „Peoples Temple“-Gemeinschaft nahm, bleibt man baff und sprachlos zurück. Die erfolgreich um Seriosität bemühten Nebendarsteller und von Cardona und seinem Team offenbar gut angeleiteten Komparsen unterstützen den in dieser Hinsicht positiven Eindruck.
Damit ist Cardona Juniors Verarbeitung der Ereignisse letztlich tatsächlich mehr eine eindringliche Warnung vor derartigen Erlösungsversprechen und Dokumentation schier unfassbarer Konsequenz als schäbiger Unterhaltungsfilm, wenn er auch das komplette Ausmaß nur schwer begreiflich machen kann und nie allzu sehr in die Tiefe geht.