iHaveCNit: Zwei Zu Eins (2024) – Natja Brunckhorst – Warner
Deutscher Kinostart: 25.07.2024
gesehen am 15.09.2024
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Lumiere – Reihe 8, Platz 15 – 16:15 Uhr
Endlich habe ich den Juli 2024 filmisch abgeschlossen und mir endlich Natja Brunckhorsts „Zwei Zu Eins“ angesehen, der mich in erster Linie wegen seiner Hauptdarstellerin Sandra Hüller angesprochen hat und dann sogar in seinem Trailer mit einer interessanten und witzigen Idee daherkommt, die sogar so ähnlich passiert ist. Nach der Sichtung die Frage: Warum habe ich mir so viel Zeit gelassen ?“
Maren lebt gemeinsam mit Robert in einem Wohnblock in Halberstadt. Kurz nach der Wende taucht dort auch Volker wieder auf, ein gemeinsamer Freund. Irgendwie wird ihr Interesse geweckt, als viele Militärtransporte durch ihren Ort fahren. Durch private Kontakte von Robert bekommen sie Zugang zu einem unterirdischen Lager und stoßen dort auf Unmengen an DDR-Mark, dass zum Verrotten dort zurückgelassen werden soll. Kurzerhand nehmen sie soviel mit, wie sie mitnehmen können, damit sie dem Kapitalismus bis zur Umtauschfrist noch ein Schnippchen schlagen können und damit den gesamten Wohnblock in Aufruhr setzen.
Der Film basiert auf tatsächlichen Ereignissen in der kurzen Zeit nach der Wende, in der tatsächlich ein unbekannter Personenkreis in den Besitz alter DDR-Mark-Bestände gekommen ist und somit diese Bargeldbestände noch viele Jahre später im Umlauf gewesen sind und nur dadurch aufgefallen sind, dass Geldnoten in den Umlauf gekommen sind, die eigentlich so nicht für den Umlauf vorgesehen waren. Der Film spiegelt durchaus eine interessante Zeit für Ostdeutschland ab, die von einer komplexen Gefühls- und Lebenslage geprägt war. Von Unsicherheiten, von Hoffnungen, von Träumen, vom Umbruch, vom Aufbruch und auch einer Spur einsetzenden Realismus und Desillusionierung – gerade wenn man sich den Sprung von einem Extrem ins Andere im Hinblick auch auf das Wirtschaftssystem ansieht und ein Spannungsfeld zwischen dem was man sich davon erhofft und erwartet gegenüber dem, was das tatsächlich für einen bedeutet und was man bekommt entsteht. Mit einem tollen Ensemble mit unter anderem Sandra Hüller, Max Riemelt, Ronald Zehrfeld und großartigen Nebenrollen von Ursula Werner, Martin Brambach, Peter Kurth und Olli Dittrich sowie einer großartigen bis ins Detail stimmigen Ausstattung lässt uns der Film selbst in die damalige Zeit eintauchen und selbst ein Teil dieses Wohnblocks werden. Der Fokus des Films hätte durchaus in die Richtung bissiger Polit- und Wirtschaftssatire oder auch in die Richtung eines spannenden, brisanten Wendethrillers gehen können. Jedoch reizt er dieses Potential nicht aus und bleibt hier eher sehr nahe an den Menschen in diesem Wohnblock und setzt eher dem Gemeinschaftsgefühl in Form einer Wohlfühlkomödie ein Denkmal.
„Zwei Zu Eins“ - My First Look – 8/10 Punkte