Hill & Billie vs. Evil
Auch wenn „Lowlifes“ sehr lange auf dieser einer Überraschung herumreitet und dadurch ein wenig wie ein One-Trick-Pony wirken kann, muss man ihm zugestehen, dass er im Hinterwaldkannibalengenre eines der intelligenteren und gewiefteren Scripts seit Ewigkeiten besitzt… Über eine Familie auf einem Wohnwagenroadtrip und ihre Auseinandersetzungen mit einer abgeschotteten Einsiedlerfamilie…
The Trailer Has Eyes
Am ehesten vergleichbar mit sowas wie „You're Next“ bietet „Lowlifes“ wirtlich gute, blutige Unterhaltung für Genrefans. Umso weniger man vorher weiß, desto besser. Aber auch wenn man schon zu viel erfahren hat oder sich ein erfahreneres Auge schnell denkt, wohin das Ganze läuft - der Weg dahin bzw. dann der Klassenkampf hat es in sich und macht Spaß. „Lowlifes“ hat düsteren Humor, er ist an einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ausrechenbar und die Grenzen der Sympathien verschwimmen zunehmend. Er ist ganz klar von Horrorfans (für Horrorfans) gemacht, die übliche Klischees und Muster leid sind und die richtige Art von Mittelfinger zeigen wollen. Das ist frech, frei und frivol. Unabhängig und unbarmherzig. Das ist saftig und ein bissiger Kommentar auf Vorurteile, Klassenunterschiede und den Blick auf die Unterschicht. Alles garniert mit Bösewichten und Leuten, die immer mit einem diabolisch-doppelten Boden ausgestattet sind und die man nie wirklich hasst. Und wenn dann liebt zu hassen. Vor denen man definitiv schon durchaus Angst haben kann, selbst wenn sie am ehesten metaphorisch gelesen werden wollen. Zur reinen Satire oder einem Fest des dauerhaften Augenzwinkern wird alles zum Glück nie. Kaum ein Gramm Fett zu viel. Mit Schwung und Schönheit in seiner Boshaftigkeit. Insgesamt ist das kurzweilig, kompakt und selbstbewusst genug um eine richtig gute Zeit zu haben. Ein paar mehr Gorelights hätten es am Schluss für mich sogar noch sein können - wenn man eh schon in den Vollen steckt und die Karten auf dem Tisch liegen. Aber diese Forderung ist dann schon etwas gierig von mir, wenn’s am Ende dann doch schon überdurchschnittlich ans Eingemachte geht und alles fast schon zur Schlachtplatte mutiert. Ich meine ja nur, warum dann nicht komplett ausrasten, all-in gehen und einen Klassiker der Körpersäfte schaffen… Trotzdem: vollkommen gut und erfrischend! Hätte fast noch eine Wertung höher verdient.
Fazit: schöner, biestiger und dunkellustiger Curveball auf das Backwoodhorrorgenre… diese „Lowlifes“ haben einiges im Köcher!