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Warum sich Wong Jing nach ersten größeren Erfolgen auf dem chinesischen Kinomarkt, allen voran mit der From Vegas to Macau Trilogie (sowie der Ankündigung eines Reboots, welches bislang ausgeblieben ist), und warum er sich nach einigen ungewohnten Zuspruch auch bei den Kritikern nun wieder vermehrt auf Kleinklein und den Streamingmarkt konzentriert, kann allein nur er beantworten und wird er auch am besten wissen. Wong ist eher Geschäftemacher als Filmemacher, immer schon gewesen, hat früher schon alles bedient und geliefert, was Rendite versprach und hat sich zwischenzeitlich (mit der Unterstützung von 'herangezüchteten' Mündeln) auch um gleich eine Handvoll bis ein Dutzend Produktionen gleichzeitig 'gekümmert'. Hit Team ist einer der Titel, die rein Online erschienen sind, er ist einer der wenigen Arbeiten, die zeitgenössisch, also im modernen Setting angesiedelt sind, und er ist einer der vielen Tätigkeiten des sich selber zum Regisseur für Wong aufgeschwungenen Kam Ka-Wai, welcher auch die Queen of Triads betreute oder Colour of the Game, und zuletzt einer der vielen Nennungen von Sakra abbekam; Kam gilt eigentlich noch mit als der Verlässlichste im Team:

Polizist Chen Zhi Wei [ Jordan Chan ] hat sich auf den Gangstersohn Jason Long [ Ricky Chan ] 'eingeschossen', der sich aber regelmäßig mithilfe seiner Schwester Winnie [ Sabrina Qiu ] aus der Fahndung bzw. einer Verhaftung oder gar Verurteilung herauswinden kann. Als Long ein Killerkommando auf den Cop und dessen Exfreundin Wen Su Xin [ Michelle Hu ], ebenfalls Polizistin ansetzt, und Winnie zusätzlich einen Deal mit dem japanischen Kriminellen Kamiyama Ryuichi [ Ken Wong ] einfädelt, kommt das sogenannte Hit Team von Chen [ u.a. Dominic Ho, Yu Lan & Jason Wong ] in arge Bredouille.

Die Hauptrolle führt mit Chan hier jemand an, der sich erst als Art Independent im früheren HK-Kino bewusst gemacht hat, dann aber mangels Alternativen, besserer Angebote, oder anderer Ziele schnell auch im Mainstream gelandet ist, wo er mittlerweile vermehrt ebenfalls den VRC-Markt mit digital erwerblichen Angeboten und dies scheinbar durchaus prominent, gerne auch mit der Rückführung auf die Zeiten um Young and Dangerous bedient. Hier im urbanen Setting gehalten, im blau metallenen Hintergrund hochgeschossener Häuser, die Nacht erhellt von vielen Lichtern, eine neonkühle Atmosphäre, das Großstadtmilieu, vom Verbrechen die Zentrale. 1996 in Hongkong selber ist der Anfang, alle sprechen Mandarin (es gibt eine kantonesische Synchronisation), eine laufende Observation der Polizei, vor einem Nachtclub, ein turbulentes Geschehen.

Ein Drogendeal steht an, die Kameras laufen, man wartet nur auf Einsatz und Kommando, es gibt schnell der Ruf nach "Action!", die Stürmung der Polizei, die Fehde der Gangster. Eine Schießerei im vollbesetzten Raum, eine Flucht, das Zücken von Handgranaten und zwei sich überschlagende, bislang ruhig parkende Wagen; eine Inszenierung zuweilen handgemacht und nachgeholfen, nicht aus einem Guss wirkend, aber mit Optionen. In der hauptsächlichen Besetzung sind einige aus dem HK-Film geläufige Namen (von Nebendarstellern) zu lesen, der große Rest wird aufgefüllt mit Chinesen, welche auch vornehmlich hinter der Produktion agieren; das Werk ist für die in Shanghai ansässige Tencent Penguin Pictures, ein Bestandteil von Tencent Holdings Ltd., einem 1998 gegründeten Internetunternehmen bestimmt, eine Vertriebsplattform, die ansonsten auch mit Instant-Messaging oder als Mehrspieler-Onlineportal ihr Geld verdient. Es spielt deutlich nicht in HK und schon gar nicht '96, es sieht aus wie der Pilotfilm einer Serie, oder ein Special dazu, es ist auch so geschrieben, inklusive Rückblendenstruktur und/oder Erinnerungen, und auch so gespielt, Chan passt sich dem an, er bringt hier die Pflicht, nicht die Kür.

Die Erzählung wird gefüllt mit einer internen Streiterei, einem Vater-Sohn-Konflikt sowie dem zwischen Bruder und Schwester, außerdem wird ein Rachefeldzug gegen den Polizisten installiert, um die Laufzeit auf 70min zu bringen. Viel zu tun demnach für das Hit Team, die nach Aussagen der Gangster hier gleich nach der SWAT kommen; beruflich auf Zack, privat eher hinterher, der Liebe am Nachrennen, der Vergangenheit bezüglich trauern. Geschrieben hat das Wong selber, das ist jetzt nicht unbedingt als Lob zu werten, es gliedert die Klischees aneinander, es ruft die nötigen Zutaten ab, statt sie neu zu formen oder anders zu bewerten. Von einem glücklichen Zweisamkeitsleben zu einem singulären einsamen Dasein, nicht einmal der Hund ist geblieben, und die Wohnung ist auch nicht seine; von der Liebe zur Freundschaft jetzt bloß, und selbst das über Umwege und Einseitigkeiten. Zum Glück für den Zuschauer wird ein Killertrupp entsendet, ein Diner in Beschlag genommen, ein Mordanschlag mit Messern probiert; Schusswaffen gehören nicht zur Ausrüstung der Meuchelmörder, entsprechend erfolglos ist nach einigen physischen Verteidigungen die ganze Aktion.

Folgend wird noch ein wenig um die vorhandenen Frauen in der Geschichte herumscharwenzelt, es werden einige optische Eindrücke geboten, sprich: Die Kamera verweilt auf der körperbetonten Kleidung und nur dem Badeanzug, ansonsten wird etwas Internationalität in Einbezug eines japanischen Hintermannes angetäuscht, der Film versucht seine Größe, aber hat schlichtweg zu wenig narrative Energie und auch nicht das entsprechende Budget. Trotz der kurzen Handlung, die theoretisch genug Material aufweist – u.a. ein Geschlechterkrieg, in der die Tochter der Longs trotz besserer Voraussetzungen für eine Machtübernahme nicht von der Männergruppierung akzeptiert wird, und einer versuchten Annäherung zwischen ihr und dem Alphatier der Gesetzeshüter – entsteht kein richtig flüssiges Geschehen, es reiht sich eine trockene Szene an die andere, ein niederes Genrewerk, eine kontemplative Ergänzung. Ab und an wird das etwas beschleunigt, bei einer versuchten Entführung und dem Eingreifen zur Rettung in einem Parkhaus, wobei dort Sprung- und Kicktechniken gezeigt werden, die garantiert nicht vom Darsteller selber ausgeführt wurden, selbst in seinen besten Jahren nicht, aber Kudos an den Stuntman und die Choreografie. Zwischendurch wird auf Amnesie und Actionkrimi gespielt, Fetzen von Eindrücken, befindet man sich zuweilen auch mehr im Krankenbett als woanders; Bewegung sieht anders aus. Um Geld zu sparen, spielt auch gleich der Prä-Showdown dort, mehr Bohei als alles Andere, vertane Chancen und ungenutzte Gelegenheiten.






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