Der sprichwörtliche reiche Onkel, der kürzlich verstorben ist, führt drei Geschwister und ihre jeweiligen Partner bzw. Familien in eine ländliche polnische Provinz, wo sie auf eine unverhoffte große Erbschaft hoffen. Schon die Anfahrt, bei der sich alle drei Parteien an einer Tankstelle treffen, gerät nach allseits geheuchelter guter Stimmung fast zu einer Rallye, bevor die Fahrzeuge nahezu gleichzeitig an einem einsam gelegenen, schloßartigen Herrensitz eintreffen.
Doch als der Lehrer Dawid (Maciej Stuhr) mit Frau und zwei Kindern, seine Schwester Natalia (Joanna Trzepiecinska) mit Freund sowie der Bruder Karol (Mateusz Król) mit seinem Partner vom Butler hineingebeten werden, erleben sie bei der Testamentsverlesung die erste Überraschung: Onkel Wladyslaw (Jan Peszek), ein bekannter Erfinder und Showmaster, hat sein ganzes Vermögen einem Kinderheim vermacht. Seine ebenfalls wertvollen Patente dagegen gedenkt er unter den angereisten Familienmitgliedern aufzuteilen. Diese sind zunächst sprachlos ob dieser Neuigkeiten - mit denen sie keineswegs einverstanden sind - doch dann spaziert der verstorben Geglaubte plötzlich höchstpersönlich und quicklebendig ins Zimmer...
Seinen Schwindel erklärt der alte Herr damit, die Anwesenden - die sich nicht nur untereinander nicht sonderlich grün sind, ihren Onkel aber zeitlebens fast vergessen hatten - mittels seines vorgeblichen Ablebens noch einmal zusammenführen zu wollen, um sie zu testen. Ja, testen. Und zwar in Form einer Art Gameshow, die er extra für sie komponiert hat, und die am nächsten Morgen starten soll. Die gierige Verwandschaft ist zwar ziemlich empört über diesen Vorschlag und verkündet, gleich in der Früh abreisen zu wollen, doch dann finden sie sich doch alle morgens wieder im großen Saal ein. Was für ein Schreck, als sie den Onkel dann dort tot am Boden finden, offenbar erdolcht. Schnell wird die Polizei verständigt, die alsbald mit einzelnen Verhören beginnen, in denen der wahre Charakter der Befragten zutage tritt. Kurz danach startet des verstorbenen Onkels wohlvorbereitete Gameshow - ein bunter Reigen diverser Überraschungen beginnt...
Habgier und Egoismus sind die vorherrschenden Themen der polnischen Netflix-Produktion Spadek (deutscher Titel: Die Erbschaft), in der Regisseur Sylwester Jakimow seine Protagonisten auf eine Art Schnitzeljagd durch ein altes Schloß schickt. Dort erleben die habgierigen Verwandten, die sich gegenseitig keinen Millimeter über den Weg trauen und einander aus Herzensfreude anlügen, diverse kuriose Situationen, denn der begabte Tüftler-Onkel hatte sich weißgott gut vorbereitet und kennt die diversen Schwächen der Angereisten nur allzu gut.
Ein toter Hausherr, ein kniffliges Quiz und die Aussicht, einen großen Batzen Geld abstauben zu können, erinnern den geneigten Krimifreund natürlich in erster Linie an den Klassiker Eine Leiche zum Dessert von 1976, doch dessen Format erreicht dieser sich an dem bekannten whodunit-Format orientierende Krimi natürlich bei weitem nicht - immerhin geben die abgelegene, gediegene Location und die überzeichneten Verwandten (eine pleite gegangene Bestsellerautorin, ein langweiliger Lehrer mit besonders habgieriger Gattin oder ein schwuler Bonvivant, der mit den erhofften Millionen nach Portugal auswandern will) schon einen deutlichen Hinweis auf das Vorbild.
Obgleich es auch durchwegs unterhaltsam ist, aus der Zuschauerperspektive die vielen krausen Ideen des Hausherrn mitzuerleben, vermag der berühmte Funke nicht wirklich überzuspringen: zu unsympathisch sind die Filmcharaktäre, zu wenig bissig oder pointiert sind die eingestreuten Gags, und so bleibt am Ende nur das Fazit, daß Spadek eben nur eine weitere von mehreren Produktionen um das Thema gierige Erbschleicher geworden ist: 5 Punkte.