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Jede Kiss Cam bei einem Coldplay Konzert bietet mehr Spannung, Dramaturgie und womöglich auch Tiefe als vorliegendes Werk von Dallas King, der in einem Anflug von Größenwahn nicht wusste, ob er ein Erotikdrama oder einen Vampirfilm drehen wollte.

Rad (James Eastwood) hat selbiges ab, da er sich als überzeugter Monogamist auf ein abenteuerliches Wochenende mit seiner geliebten Freundin Kayla (Jessica Lelia Greene) einlässt. Auf einem schmucken Anwesen trifft sie ihre Jugendfreundin Glory (Erin Anne Grey) wieder, welche neuerdings nicht die Finger von ihrem neuen Liebhaber Angelo (Dallas King) lassen kann. Ein Partnertausch liegt in der Luft…

Ja klar: Fifty Shades gesehen und sich inspirieren lassen und dann nicht wissen, wohin mit der geballten Eitelkeit. Natürlich gibt es mehr nackte Tatsachen als Bekleidete und keiner der vier Beteiligten muss sich in irgendeiner Form verstecken, doch mit schauspielern hat die Chose wenig zu tun. Im Endeffekt hätte es eher gewundert, wenn James Eastwood doch mit Clint Eastwood verwandt wäre, - ist er nicht.

Er spielt einen Cop und ahnt natürlich nicht, dass seine nymphoman veranlagte Freundin im Grunde nur auf Gruppensex aus ist, während er Angelos Kokskonsum mit mehreren Drinks weglächelt. Masochistisch muss er definitiv veranlagt sein, denn er erträgt deutliche Avancen auf beiden Seiten, die sich wechselhaft in Alpträumen oder Visionen andeuten. Ein Sympathieträger würde zumindest handeln, doch diese Figur verkommt zum Spielball, wodurch die Geschichte an sich kaum fesselt, da die übrigen eben lediglich ihre Körper zur Schau stellen.

Die überaus niedrigen Produktionswerte offenbaren sich schon dadurch, dass selbst bei einer Aufnahme mit einer Drohne per CGI nachgeholfen wurde und generell fast kein Blut fließt. Das ist so wenig explizit wie die so genannten Erotikeinlagen, welche entweder mit Rotfilter überstrapaziert werden oder an der uninspirierten Kamera leiden, die es zumindest ab und an schafft, nicht unruhig an den Gesichtern zu kleben.

Die Dialoge sind natürlich auch ein Fall für sich. Spätestens als sich die Damen im Bad bei Kerzenschein über das vermeintliche Phänomen vom Squirting unterhalten oder der Vampir, der so nicht bezeichnet werden will, über Hedonismus schwafelt. Der gute Herr King hätte sich mal mit Egoismus beschäftigen sollen, um dem Publikum so einen Schmarrn zu ersparen.

Leider ist der Streifen zu keiner Zeit unfreiwillig komisch, aber auch nie unterhaltsam, da die Angelegenheit binnen kurzer Zeit auf erahnbaren Pfaden wandelt. Selbst das Anwesen liefert keine atmosphärischen Vorzüge, also fallen auch diese Schauwerte, mal abgesehen von den Nackten weg. Die 0,5 zusätzlich gibt es für die interessanten Kontaktlinsen und die sauber eingesetzten Vampirzähne. Ist aber beides nicht lange im Einsatz.
1,5 von 10





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