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Ein kopulierendes Hundepärchen in einem Berliner Park bringt Jan (Dennis Mojen) und Pia (Janina Uhse) einander näher - die beiden etwa gleichaltrigen Hundebesitzer Mitte Dreißig sind sich auf Anhieb sympathisch und werden nach kurzer Zeit ein Paar. Nach einer ersten Kennenlernphase lädt Hobby-Fotografin Pia ihren neuen Freund Jan, der mit seinem Kumpel Alex (Edin Hasanovic) einen kleinen Fahrradladen betreibt, zum titelgebenden Spieleabend ein - ein regelmäßiges Event, zu dem sich Pia mit befreundeten Pärchen zuhause trifft, um den Abend mit diversen Gesellschaftsspielen zu verbringen. Der Sieger erhält eine Art Wanderpokal, um den jedesmal neu gespielt wird.
Jan, immer offen für neue Erfahrungen, sagt gleich zu, bekommt dann aber Manschetten, als er mitbekommt, daß das Treffen in einer Villa im noblen Berliner Grunewald stattfinden soll. Ausgestattet mit dem neuesten Gimmick aus seinem Laden als Mitbringsel - einem Fahrrad-Airbag - macht er sich mit Pia auf den Weg. Doch trotz freundlicher Aufnahme durch die Anwesenden - Hausherr Oliver (Axel Stein), Gattin Karo (Anna Maria Mühe), deren etwas schrägem Bruder Kurt (Max Bretschneider) und der von Liebeskummer geplagten Freundin Sheila (Taneshia Abt) - stellt sich schon bald heraus, daß Jan irgendwie nicht so recht zu dieser Gesellschaft zu passen scheint. Zumindest wird ihm das durch die Blume immer wieder angedeutet. Richtig übel allerdings wird es dann, als Pias ex-Freund Matthias (Stephan Luca), ein sehr von sich selbst überzeugter Zahnarzt mit überdeutlichen Ambitionen in Sachen Rückeroberung der ex-Freundin, auftaucht und den "Neuen" nach Strich und Faden fertigzumachen versucht. Für Jan, dem aus Versehen der wertvolle Kakadu der Gastgeber entflogen ist (was diese noch nicht bemerkt haben), beginnt ein wahrer Albtraum...

Deutsche Komödien haben für gewöhnlich nicht den Ruf, sonderlich mitreißend zu sein, doch Regisseur Marco Petry gelingt es mit seinem Spieleabend, immerhin anderthalb Stunden lang mittelprächtige Unterhaltung zu präsentieren. Das liegt weniger am sattsam bekannten Plot, in dem zwischen einer Gruppe und einem als Eindringling empfundenen Neuling immer weitere Spannungen (auch untereinander) aufbrechen, als vielmehr daran, daß das Niveau der Witzchen nur die knapp bemessene Spanne von albern bis seicht abdeckt und die übertrieben skizzierten Filmcharaktäre sich meist so verhalten, wie man es erwartet, darin aber zumindest überzeugen können - die bekannten Verhaltensweisen (Egozentrik beim unbedingten Siegeswillen, kindliches Warten auf irgendeine whatsapp-Nachricht und Überbewerten derselben, gönnerhaftes Verhalten, bröckelnde Fassaden einer äußerlich guten Beziehung etc.) dürften für diverse Déjà-Vu-Erlebnisse sorgen, sodaß man sich gleich "zuhause" fühlt.

Daß nicht alle Gags wohlplatziert sind, liegt dabei auf der Hand: der frisch angerührte Beton, in den der versehentlich herbeigerufene Freund Alex beim Kakadu-Wiedereinfangen tritt, ist dabei genauso bemüht (sprich: langweilig) wie des Federviehs Name "Helmut Kohl" oder jener Hobby-Jäger als Nachbar, der Fallen aufstellt und nachts mit einem Gewehr im Garten patroulliert. Die auf die Spitze getriebene Konfrontation zwischen Pias altem und neuem Freund, die statt in ein furioses Finale in ein pubertär-peinliches Nackt-Tischtennis-Match mündet, ist dann der Höhepunkt an humoristischen Rohrkrepierern.
 
Überhaupt macht Spieleabend nicht viel aus seiner Prämisse, eine Paar-Komödie sein zu wollen, denn besonders Pia scheint heillos überfordert mit den Attacken ihres Verflossenen, stellt sich kaum einmal (rhetorisch) schützend vor Jan und ist nicht in der Lage, ein Machtwort zu sprechen - ein wenig überzeugender, ja eigentlich enttäuschender Filmcharakter, als Partnerin schlicht eine Zumutung. Dafür läuft der Zahnarzt zu Hochform auf und provoziert ohne Ende, was den erstaunlich  geduldigen Jan irgendwann dazu bringt, nur noch zynische Kommentare rauszulassen. Die hysterische Lesbin Sheila und ihr Stalken ihrer ex-Freundin kann man sich getrost schenken, die Marotten des Gastgeber-Pärchens hat man auch schon zu oft gesehen.

Der Verzicht auf Tiefgang und den so verhassten moralischen Zeigefinger gereicht Spieleabend dann jedoch wiederum zum Guten - eine weitgehend anspruchslose Komödie, die ihren Hauptzweck, schlichtweg zu unterhalten und mit ihren stereotypen Charaktären und dem präsentierten Geschehen niemandem weh zu tun, auch mühelos erreicht - nach dem Finale im Tierpark haben sich dann ohnehin wieder alle lieb. Naja, fast alle. 5 Punkte.

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