Zemeckis' „Tree of Life“?
Die Kamera steht fest und still an einer Stelle. Einzelne Bildausschnitte können zeitlich versetzt werden und Episoden verbinden. Doch im Grunde ist das Statik perfektioniert in Filmform. Ein Ort, ein Haus, ein Blickwinkel, viele Schicksale, viele Menschen, Familien, viele Stimmen, viele Tages- und Jahreszeiten, über Jahrhunderte (oder gar Jahrmillionen, wenn man die kurzen Dinomomente miteinbezieht…), immer mit dieser Zemeckis-Ästhetik und seinem Schmalz, der einst bei „Forrest Gump“ für mich funktioniert hat, mittlerweile aber arg in Mitleidenschaft gezogen wurde…
Ein Raum, viele Schicksale
„Here“ hat viel von der alten „Zemeckis“-Aura und ja, -Magie. Hanks und Wright wiedervereint. Toll. Eine epochenumspannende Geschichte. Technische Spielereien und Wow-Faktor. Eine kreative Idee. Ein einmaliger Aufhänger. Genug Kitsch. Das ist alles schon Zemeckis pur und oft genug auch von der besseren Art. Audiovisuell hat „Here“ enorm Eindruck auf mich gemacht. Schauspielerisch rangiert das von stark bis steif. Es ist immer verspielt und zeitlos, ambitioniert und mit nichts in der Filmgeschichte bisher zu vergleichen. Das reicht, damit mir „Here“ eher positiv im Gedächtnis bleiben wird. Vermute ich. Und dass er gerade jetzt über die Feiertage im Kino auch ein Tipp sein kann, gerade für ältere Semester. Doch für mich kommen die einzelnen Figuren und Schicksale einfach nicht rund und berührend genug zusammen. Etliche Nebenzweige wirken überschüssig. Und die Hauptgeschichte ist voll mit Klischees und Berechnung. Und dann kommt halt viel mehr fader Beigeschmack zustande als notwendig. Denn mit diesem Aufhänger, diesen Stars, dieser Technik und diesen Zeitsprüngen und teils genialen Knotenpunkten hätte ein geniales Script und ein Regisseur auf seinem Zenit Wunder und eventuell einen Klassiker bewirkt. Doch das ist Zemeckis schon lange nicht mehr und daher bleibt „Here“ hinter seinen Möglichkeiten. Er wirkt viel prätentiöser, predigender, artifizieller und gekünstelter als er es müsste. Epik in ein Korsett gepackt. Das ist schade. Und trotzdem sind Zemeckis und seine Kniffe hier gut wie lange nicht mehr.
Fenster durch die Zeit
Fazit: ich respektiere und bewundere zum Großteil die Ambition, Magie, Tradition, den Look und die Weite/Enge von „Here“. Das hat was, das ist neu und experimentell. Und doch fehlt irgendwie etwas in Sachen Story, Gefühle und Zusammenhänge, damit der Funke richtig überspringt…