Gott ist gnädig. Hugh Grant nicht!
Zwei junge Mormoninnen landen in einem großen Haus auf der Couch eines freundlichen Mannes, den es im besten Fall zu bekehren gilt. Doch bei einlullendem Blaubeerkuchengeruch verwickelt er die beiden gutgläubigen und anfangs etwas naiven Mädels in ein Gespräch über Gott und die Welt, wortwörtlich, wodurch schnell Skepsis, Unbehagen und Zweifel entstehen und sich das Ganze als perfide Falle und Glaubensprüfung herausstellt…
Die Zeuginnen Creephovas
„Heretic“ ist ein teuflisch unterhaltsames Filmchen, das merkt man schnell. Okay, noch schneller merkt man durch Symmetrie, Look und Einstellungen, dass es ein sehr hübscher und audiovisuell polierter Film ist. A24 top notch. Doch wenn diese B-Note zur Normalität geworden ist und die beiden Mädels sehr flott zu Hugh Grant in sein mysteriöses Haus gebeten werden, dann spürt man vor allem wieviel diabolischen Spaß Herr Grant mit den Mormonen und indirekt auch die Filmemacher mit uns haben. Denkanstöße an jeder Ecke, Gänsehaut gibt’s obendrauf, ein ungläubiges Grinsen eh dauerhaft. Ein perfides Spiel aus Kontrolle und Religion. Ein krankes Labyrinth aus Widersprüchen und Erleuchtung. Ein Fest für Atheisten. Und dann doch irgendwie nicht. „Heretic“ hat mich vor allem durch seine drei Protagonisten gefesselt und fasziniert. Aber dann kommen auch schon die Themen, Thesen und Thekentopics, die nun auch noch lange nach dem Abspann in meinem Kopf lauern und die ich gerne diskutiere (mit anderen, die den Film schon gesehen haben. Alles andere wäre ein reinstes Spoilerfest und für meinen Reviewstyle nicht unbedingt geeignet. Deswegen gibt’s hier nur Andeutungen.). „Heretic“ hat mir aber auch erstaunlich viel Angst gemacht, muss ich sagen. Dabei gibt’s gar nicht super viel klassischen Horrorstoff. Doch irgendwie ist hier jeder Moment dermaßen kalt und geplant und verblüffend, dass ich eine innere Unruhe gerne in Empfang nahm. Die letzten zehn Minuten sind dann nicht unbedingt auf dem Niveau des Rests davor. Und wenn man so viele Töpfe und Theorien aufmacht und ankratzt, kann man auch durchaus behaupten, insgesamt gar nicht richtig Stellung zu beziehen. Und doch ist „Heretic“ ein absoluter Tipp für Genrefans für die Festzeit - und das geht von einem wirklich legendär guten Grant (!) über feine Klassiker-Vibes („Misery“, „Exorzist“) bis zu der massiven Glaubenskritik auf allen Ebenen, gegen etliche/alle Religionen und noch eher menschlichen Institutionen zu diesen. Das ist beeindruckend. Düster. Akut. Aktuell. Und fun.
Bist du's, Antichrist?!
Fazit: pünktlich zum Fest kommt der ungläubigste Horrorfilm seit „Der Exorzist“… „Heretic“ ist ein frivol-atheistischer Gruselgourmethappen. Unbedingt angucken! Vielleicht auch etwas für den (coolen) Religionsunterricht?!