Die Drehbuchautoren von A QUIET PLACE stellen ihren ersten Film vor. HERETIC kümmert sich um zwei junge mormonische Missionarinnen (Sophie Thatcher und Chloe East), die auf ihren Fahrrädern in kleineren Städten unterwegs sind, um unentschlossene Menschen von ihrem Glauben zu überzeugen. Dabei sind sie so manchem Spott der "aufgeklärten" Bevölkerung ausgesetzt. Das ist bei ihrer nächsten Verabredung nicht zu erwarten, denn Mr. Reed (Hugh Grant), ein distinguierter älterer Herr, hat eigens um diese Unterredung gebeten. Schon kommen die beiden am weitläufigen Anwesen ihres Kunden an. Es regnet, die Stimmung ist düster, was nicht zuletzt an dem etwas unheimlichen Haus von Mr. Reed liegt. Nach einigem Klopfen öffnet Reed, bittet die jungen Damen herein, serviert Getränke, verspricht Blaubeerkuchen, den seine nicht zu sehende Gattin angeblich gerade bereite. Doch weder die Dame des Hauses noch der Kuchen tauchen jemals auf. Spätestens als die Frauen bemerken, dass das Kuchenaroma nur von einer Duftkerze stammt, schöpfen sie den Verdacht, dass mit dem älteren Herrn wohl etwas nicht ganz koscher ist. Der zieht seine Besucherinnen zuerst recht freundlich in eine religionsphilosophische Diskussion, in der die beiden unerfahrenen Missionarinnen immer mehr an Boden verlieren ... doch irgendwann wird dieses perfide Spiel auch lebensgefährlich. Bis dahin servieren uns die Regisseure eine trotz aller Textlastigkeit immer wieder überraschende und unterhaltsame Achterbahnfahrt durch geistige und reale (?) Labyrinthe. Mehr sei nicht verraten. Das würde den Text auch zu lang machen.
Klingt ja alles vielversprechend. Hat aber seine Probleme. Die geistige Konstruktion dieses Films ist überladen. Will heißen, so manches wirkt konstruiert, unglaubwürdig, unlogisch, an den Haaren herbeigezogen. Warum sollte jemand sich so verabreden, dass bekannt ist, wo sich die Gäste aufhalten ... und dann das mit ihnen machen, was er im Film dann tut? Wie kann man den Ablauf so präzise planen, da gibt es viel zu viele Unwägbarkeiten? Und der ganze Aufwand, um am Ende nachzuweisen, dass die einzig wahre Religion Kontrolle ist, hergestellt durch geistige Manipulation? Nicht gerade eine neue Erkenntnis. Ich fand auch die abschließenden Minuten des Films (nein, ich verrate nichts) ein wenig konventionell. Nichtsdestotrotz liefert der Film einiges an Denkanstößen und auch die Schauspieler überzeugten mich, vor allem Hugh Grant liefert eine großartige Performance ab.
Fazit: Kann man sich ansehen, eine Sensation ist das aber nicht.