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Die beiden jungen Mormonenmissionarinnen Schwester Barnes und Schwester Paxton geraten bei ihrem Hausbesuch ausgerechnet an einen ehemaligen Theologiestudenten. Mr. Reed, ein freundlicher älterer Herr, ist durchaus aufgeschlossen, über Gott zu sprechen. Allerdings nicht ganz so, wie sich das die beiden Mormonenschwestern vorgestellt haben. 

Um genau zu sein, liegt das, was sich nun abspielen wird, völlig jenseits ihrer Vorstellungskraft. Denn Reed ist ein höllisch guter Rhetoriker und seine Absicht scheint es, die beiden jungen Frauen nach und nach vom Glauben abzubringen. Und dazu ist ihm jedes Mittel recht – selbst Popsongadaptionen, Jar Jar Binks und eine Monopoly Special Edition von Bob Ross. 

Der Film der beiden Drehbuchautoren von A QUIET PLACE, HAUNT und 65 ist ein höchst ungewöhnlicher Genrefilm, denn er lebt von seinen Dialogen und seinen Schauspielern. Als Zuschauer ist man durchaus gefordert, den verschiedenen Ebenen des Films zu folgen – die spannende und intelligente theologische Diskussion, das unangenehme Gefühl, nicht zu wissen, was genau hier nicht stimmt und wo das Ganze hinführt, das merkwürdige, mit automatischen Mechanismen verschließbare Haus und der teuflische Charme von Hugh Grant. Wie er seine harmlose Hughgranthaftigkeit hier einsetzt, um sowohl seine Gäste als auch uns, die Zuschauer, gleichzeitig in Sicherheit zu wiegen und zutiefst zu verunsichern, ist eine Meisterleistung, die Grants gesamte vorangegangene Filmografie erfordert. 

Wenn Reed die Schwestern fragt, ob sie trotz aller Widersprüchlichkeiten und Verdachtsmomente immer noch glauben, dass seine Gattin hinten wartet, öffnet er damit auch die vierte Wand zum Zuschauer, der daran natürlich schon lange nicht mehr glaubt, sich aber jetzt doch nicht mehr richtig sicher ist. 

Auch Sophie Thatcher und Chloe East (im Übrigen beide selbst unter Mormonen aufgewachsen) sind ganz fantastisch darin, unter ihrer immer zurückhaltender werdenden Höflichkeit die langsam wachsende Panik spüren zu lassen. 

Leider wird die in der ersten Hälfte noch schwelende und nicht greifbare Bedrohung immer konkreter und der Film kippt in der zweiten Hälfte zunehmend in Genreklischees ab. Anstatt eine angemessen clevere oder wenigstens wirklich diabolische Auflösung zu bieten, wirkt das Ende im Vergleich zur ersten Filmhälfte abstrus bis banal (siehe auch GET OUT). Schade, dies hätte ein moderner Meilenstein im Genre des religiösen Horrors werden können. Dennoch lohnt der Film allein wegen Grant und seinen sardonischen Monologen.

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