Review

Also, als ich Heretic gesehen hab, wusste ich vorher schon grob, worum’s geht – ich hatte mir ein paar Meinungen eingeholt, aber bewusst nur mit halbem Ohr hingehört, um mich nicht zu sehr zu spoilern. Die Erwartungen waren hoch, weil viele gesagt haben, dass der Film richtig stark sein soll. Und was soll ich sagen? Recht hatten sie.

Hugh Grant in so einer Rolle? Erstmal ungewöhnlich. Aber das funktioniert richtig gut. Er spielt diesen überfreundlichen, fast schon unangenehm aufgedrehten Typen mit einer solchen Intensität, dass man schon beim ersten Auftauchen merkt: Hier stimmt was nicht. Er ist manipulativ, charismatisch und unheimlich – alles gleichzeitig. Und das fängt richtig früh an zu kribbeln.

Die beiden jungen Missionarinnen (eher so in Richtung Zeugen Jehovas) klopfen an und wollen zum vereinbarten Termin. Klingt erstmal nach einem Gespräch, aber schnell wird klar – das hier ist kein gemütlicher Plausch über Gott. Es wird zunehmend unangenehm. Die Gespräche nehmen eine verdrehte, aufwühlende Richtung an, und die Fragen, die Hugh Grant stellt, verursachen ziemliches Unwohlsein.


Und dann eskaliert’s.

Ab einem bestimmten Punkt geht der Film von subtil-unangenehm über in völligen psychologischen Terror. Es fühlt sich an, als würde man langsam in eine Grube gezogen, aus der es kein Entkommen gibt. Eine Frau im Keller, düstere Enthüllungen, vielleicht dämonische Ebenen, vielleicht aber auch nur Wahnsinn. Und das ist das Großartige: Du weißt nie so ganz, was davon eigentlich real ist. Alles ist brüchig. Alles ist zweifelhaft. Und der Film macht das mit voller Absicht.

Der psychologische Horror wird mit Glaubensfragen vermischt, ohne ins Predigerhafte abzudriften. Im Gegenteil: Heretic stellt den Glauben selbst infrage. Den blinden Gehorsam, das Konzept von Schuld und Wahrheit – und das in einem zunehmend klaustrophobischen Setting.

Ein paar Worte zur Inszenierung:

Kameraarbeit: Eng, unangenehm nah.

Atmosphäre: Zwischen sektenhaftem Kammerspiel und albtraumhaftem Theaterstück.


Fazit:

Heretic ist kein klassischer Horrorfilm. Er ist ein nervenaufreibendes, psychologisches Kammerspiel mit religiösem Terror, das sich langsam in den Wahnsinn dreht. Und obwohl er vielleicht kleine Schwächen hat, treten die vollkommen in den Hintergrund, weil der Film einfach funktioniert. Spannend, verstörend, stilistisch mutig.

Ein kleiner Geheimtipp mit großem Sog – sollte man gesehen haben, wenn man auf klugen Psycho-Horror mit Glaubensbezug steht.

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