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"Die gesamte Hoffnung der Menschheit ruht auf uns!"

Red Planet sollte den völlig missglückten Film "Mission to Mars" von Brian de Palma um Längen schlagen. Man stellte Regisseur Anthony Hoffman ein Budget von 75 Millionen Dollar zur Verfügung, wahrscheinlich in der Hoffnung, dass dieser ein gewaltiges und monumentales Epos schaffen kann. Doch leider bekam der Film schlechte Kritiken und war mit einem Einspielergebnis von nur 30 Millionen Dollar ein riesiger Flop und damit der erste und letzte Film des gescheiterten Regisseurs Anthony Hoffman. Nachdem auch "Mission to Mars" floppte und auch "Ghosts of Mars" mäßig erfolgreich war, wurden die Mars-Filme endgültig als Kassengift abgestempelt. Doch ist der Film wirklich so schlimm?

"10 Minuten: zum Sterben zu kurz, zum Leben zu lang."

2050 steht die Erde durch diverse Katastrophen vor ihrem Untergang, doch es scheint eine Lösung zu geben. Man versucht den Mars zu besiedeln und damit einen neuen Lebensraum für die Menschheit zu schaffen. Der Techniker Val Kilmer soll nun auf dem Mars einen Atmosphären-Wandler reparieren und wird mit einer Crew auf die Mission geschickt. Das Team stellt auf dem Mars fest, dass sie nicht allein sind, während die Missions-Leiterin Carrie-Anne Moss vom Raumschiff aus den Kontakt zum Team verliert.
Die Charaktere sind klischeehaft und billig konstruiert, wie man es von vielen Sci-fi- und Trash-Filmen kennt. Val Kilmer, Tom Sizemore und die anderen Astronauten sind natürlich übertrieben heroisch und Carrie-Anne Moss wurde bei der Charakterkonstruktion komplett übergangen. Die Love-Story zwischen Kilmer und Moss ist bereits am Anfang des Films vorherzusehen und bremst den Film damit aus. Die Wendungen sind teilweise überraschend, sind zum Teil aber so unwahrscheinlich, dass der Film stellenweise ins Lächerliche abrutscht.

"Der erste bemannte Raumflug zum Mars... Die gesamte Hoffnung der Menschheit ruht auf uns!"

"Red Planet" läuft langsam an. Man sieht schwachsinnige Dialoge in der Raumkapsel und weiß bereits nach wenigen Minuten, worauf der Film hinauslaufen wird. Dann kommt der Absturz auf dem Mars und, da die Astronauten nur begrenzte Verpflegung und vor allem begrenzten Sauerstoff haben, entwickelt der Film endlich einen einigermaßen soliden Unterhaltungswert. Der Mittelteil ist unterhaltsam, da er ordentliche Action-Szenen und ein paar spannende Elemente enthält, kann aber aufgrund vieler dämlicher Wendungen nicht richtig zünden. Das Finale ist einigermaßen zufrieden stellend. Vom Unterhaltungswert her ist der Film also kein Totalausfall.
Die Kulisse ist gut gelungen. Der Mars ist größtenteils ordentlich dargestellt worden. Der Planet wirkt trostlos und die Bilder wurden gut eingefangen. Die Effekte sind solide und erhöhen den Unterhaltungswert. Vor allem der Roboter der Crew, der schließlich außer Kontrolle gerät, ist sehr gut animiert worden. Die Filmmusik ist eher mittelmäßig.
Anthony Hoffman leistet mittelmäßige Arbeit. Aus der trostlosen Kulisse und der ständigen Bedrohung durch die mangelnden Vorräte, anfangs durch die mangelnde Luft und durch den Roboter, hätte man eine wesentlich gespanntere Atmosphäre herausholen können und damit den Film wesentlich spannender gestalten können.
Humor gibt es kaum, aber stellenweise wird der Film ungewollt amüsant, wodurch er sich auch für Trash-Fans empfiehlt.

"Ich kann nichts finden, keine Luft, kein Essen, kein Wasser!"

Val Kilmer spielt ordentlich. Man kennt ihn bereits aus Filmen wie "Top Gun" oder "Der Geist und die Dunkelheit" in der Rolle des großen Helden, doch hier ist sein Charakter schon zu heroisch konstruiert. Er kommt aber alles in allem ganz gut zurecht, hätte den Film aber mit einer besseren Leistung spannender gestalten können. Carrie-Anne Moss ist ebenfalls solide. Sie beobachtet das Geschehen von der Kapsel aus, wodurch ihr Part relativ kurz ausfällt. Nach "Memento" und "Matrix" ist dies eine ihrer ersten Rollen. Tom Sizemore gefällt mir persönlich am besten. Er ist nicht zu heroisch und liefert mal wieder eine gute Leistung ab. Schade, dass seine Karriere wegen diverser Drogendelikte nicht richtig durchstarten konnte. Die übrigen Nebendarsteller sind akzeptabel.
Regisseur Anthony Hoffman kann den Film einigermaßen zufriedenstellend inszenieren, aber nicht alles aus dem schwachen Drehbuch herausholen. Vermutlich ist es besser, dass seine Karriere, die mit "Red Planet" begann,  und mit diesem Film auch schon wieder endete.

"Wir haben die Hoffnungen von fünf Milliarden Menschen zerstört."

Fazit:
Der Film ist objektiv betrachtet wirklich der letzte Schrott. Die Wendungen und die Dialoge sind doof und die Charaktere sowieso. Dafür ist der Film aber einigermaßen unterhaltsam und enthält ordentliche Effekte und Action-Sequenzen. Ich kann die Kritiker durchaus verstehen, die den Film in der Luft zerrissen, aber ich würde ihn subjektiv betrachtet eher im unteren Mittelmaß ansiedeln. Für Sci-fi-Fans sicherlich ordentliche und kurzweilige Unterhaltung. Red Planet ist schnell gesehen und schnell vergessen.

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