Ich weiß nicht... liegt`s am Roten Planeten? Ist es der Mars schuld, dass jegliche Ausflugsambitionen auf die Wüste des Weltalls unweigerlich in die Hose gehen?
Im Filmbusiness sind die Wörter "Mars" und "Langeweile" jedenfalls fast schon Synonyme. Nicht unerheblichen Anteil daran haben die groß als Blockbuster angekündigten Streifen "Red Planet" sowie vor allem "Mission to Mars", der in Anbetracht des Mannes auf dem Regiestuhl ganz besonders enttäuschte. Was meint ihr? Wollen wir über den unbedeutenderen der beiden Langeweiler reden? Okay, here we go.
Als Motivation hält logischerweise wiedermal die Erde her, die ökologisch betrachtet am Ende ist. Der menschliche Selbsterhaltungstrieb erfordert es also, sich auf neue Lebensräume auszuweiten. Nachdem man die Erde verhunzt hat, bleibt eben der Mars als einziger Planet mit halbwegs bewohnbaren Konditionen übrig. So macht sich ein Team von Spitzenwissenschaftlern auf, um die Ansiedelung hervorzubereiten.
Grob kann man den Film in drei Abschnitte einteilen, was ich dann jetzt auch übernehme.
Teil 1: Die Fahrt im Raumschiff
Nach kurzem Vorgeplänkel befinden wir uns auch schon in den Raumschiffkulissen. Antony Hoffman lässt es sich nicht nehmen, seine Charaktere sorgfältig einzuführen. Das ist natürlich eine Maßnahme, wie sie wahre Meisterregisseure in der Regel auch anwenden. Nur bringt die ausführlichste Charakterzeichnung nichts, wenn die Figuren sehr oberflächlich bleiben und diverse Klischees bedienen. Und genau das ist hier der Fall. Val Kilmer ist der opferbereite Held, Carrie-Anne Moss seine hingebungsvolle Love Interest. Tom Sizemore ist der rücksichtslose Rüpel, der stets zur falschen Zeit das Falsche sagt. Und dann gibt es noch den alten, erfahrenen Veteranen, der die Crew (vor allem den Helden) mit Ratschlägen versorgt. Zuguterletzt hätten wir dann noch zwei jüngere Kerle ohne Persönlichkeit. Das perfekte Mars-Futter.
Vielmehr als die Einführung der Figuren passiert auch nicht. Die Spielzeit wird mit belanglosen Dialogen gefüllt, bei denen es zwar ab und zu zur Sache geht, die aber eben auch dem Zweck der Charaktereinführung unterstehen. Und da die Figuren wie gesagt vorhersehbare Klischees sind, bleiben die Dialoge uninteressant. Die Langeweile hat sich schon längst eingestellt.
Glücklicherweise kann Hoffman sie wieder mit einer relativ spektakulären Landung verdrängen. Wenn auch nicht wirklich was Neues geboten wird und wirkliche Eyecatcher keine dabei sind, bleibt die mit diversen Schwierigkeiten versehene Ankunft auf dem Mars rasant und actionreich. In einem Luftballon kugeln sich die Forscher auf die staubig-felsige Marsoberfläche. In einer Szene stellt sich sogar ein ehrfurchterregender Gigantismus ein: wenn die ziemlich kleine Kugel einen wirklich tiefen Felsabhang hinunterrollt, dann hat das schon eine gewisse Wirkung. An die gigantische Welle aus Petersens "Der Sturm" kommt die Szene dann doch nicht heran.
Teil 2: Die Marserkundung.
Der Hauptteil des Films wechselt zwischen zwei Standpunkten. Während fast die ganze Crew auf der staubigen Marskugel herumfleucht, bleibt der Frauenanteil, also Carrie-Anne Moss im Schiff und hat dort mit verschiedensten (teils lebensgefährlichen) technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Klar, so sind die Liebenden körperlich getrennt, im Geiste aber stärker verbunden als jemals zuvor.
Aber das Hauptaugenmerk liegt natürlich bei der Hauptgruppe. Erwähnenswert ist hier zunächst mal die Tatsache, dass die Akteure logischerweise alle in Raumanzüge verpackt sind. Problematisch daran ist, dass die sowieso schon farblosen Figuren damit jegliche verbliebene Persönlichkeit verlieren. Und als wäre das noch nicht genug, ist die große Attraktion ein multifunktionaler Roboter. Zugegeben, schlecht kommt der nicht rüber. Das liegt zum einen daran, dass er gut animiert wurde (besteht meines Wissens nach zu 100 Prozent aus CGI) und sein Design sehr funktional angelegt wurde. Zum anderen war es sinnvoll, den Roboter sehr animalisch auszulegen. "AMEE" wirkt wie ein domestiziertes Haustier, womit zumindest ein organischer Gegenpart zum sonst sehr trockenen Look des Filmes eingefügt wird.
Ansonsten gibt es immer wieder neue Probleme, die zwar in ihrer Grundkonstellation sehr spannend sind, aber nicht besonders aufregend inszeniert wurden. Der Film plätschert ohne große Höhepunkte einfach so vor sich hin, um ab und zu ein paar krampfhaft eingefügte Höhepunkte zur Schau zu stellen. Nebenbei werden die Darsteller auf altbekannte Zehn-kleine-Negerlein-Manier dezimiert.
Teil 3: Die Flucht
Zum Ende hin gerät alles sichtlich außer Kontrolle - im positiven Sinne, muß ich fairerweise dazusagen. Endlich gibts a büschn Äktschn, auch wenn diese nach Hollywoodstandard eher zum Mittelmass gehört. Leider herrscht erneut die Vorhersehbarkeit vor. Soll heißen, man weiß von Beginn an, wer`s schafft und wer nicht. Ein seltsamer Kuddelmuddel ist`s schon, aber wenigstens lenkt er von der vorhergehenden Linearität ein wenig ab. Mehr kann und will ich aus Spoilergründen nicht verraten. Nicht, dass der Film irgendeine brillante Storywende zu verzeichnen hätte, aber wenn ich noch anfangen würde, von den Gegnern zu sprechen, würde ich ja endgültig jegliche Spannung killen. Also mach ich mal Schluß mit dem Fazit, dass zumindest das Filmende trotz Mittelmäßigkeit ein wenig entschädigt für die staubtrockene Qual, die einem vorher zugemutet wurde.
Es bleibt die Erkenntnis, dass es Mars-Filmen ("Total Recall" dürfte die glänzende Ausnahme sein) scheinbar deutlich an Filmbösewichten mangelt. Wenn man halbwegs realistisch bleiben will, so wie es der Anspruch von "Mission to Mars" und "Red Planet" ist, kann man natürlich keine riesigen Monster losschicken, um die Helden zu killen. So bleibt oft nichts weiter übrig, als ein paar farblose Gefahren und ein paar menschliche Konflikte. Zusammen mit der im wahrsten Sinne des Wortes staubtrockenen Atmosphäre wird der Film dann alles andere als ein Blickfang.
Auch "Red Planet" scheitert so an seinen eigenen Ambitionen. Auch, wenn ein paar nette Ideen vorkommen, bleibt doch im Gesamtbild ein recht fades Actionspektakel übrig, dem es einfach an Attraktivität fehlt. Zum einmaligen Ansehen vielleicht geeignet, doch jedes weitere Ansehen ist Zeitverschwendung.
3/10