Auch, wenn sich mein Drogengenuss auf ein gelegentliches Feierabendbier und einen seltenen Joint beschränken bin ich in Sachen Psychedelika doch eher auf der Seite der Legalisierungsbefürworter anzutreffen. Das kommt davon, wenn man als junger Punk eine Minderheit an Psychonauten in der Clique hat. Davon ab soll ja bereits Psychologe Timothy Leary mit LSD und Co. so manchen mentalen Karren aus dem Dreck gezogen haben, der sonst zum Feststecken verdammt gewesen wäre.
Für die, die sich das Unterfangen einer psychedelischen Reise nicht zutrauen gibt es ja anderweitige Lösungen wie luzides Träumen, holothropes Atmen oder gar Roger Cormans 67er Kinowerdung des leary'schen Mottos "Turn on, tune in, drop out": "The Trip" ersetzt eine solche Erfahrung nicht (denke ich mal), gibt aber trotz vorgeschobener konservativer Aufklärungsagenda einen doch recht versöhnlichen Einblick in die Welt der Acidheads.
Ein solcher geistiger Tiefenarchäologe ist Werbefuzzi Paul zu Beginn noch nicht, aber auf dem besten Wege: der von seiner anstehenden Scheidung sichtlich angefressene PR-Heini ist es leid, seine Probleme einfach nur bei Seite zu kiffen und sucht bei seinen Kumpels John und Max Rat.
Die wiederrum beschaffen ihm das berüchtigtste Mittel aus der Hausapotheke Albert Hoffmanns und schicken den Spießer auf die Reise seines Lebens, wobei John als vorbildlicher Tripsitter fungiert. Zumindest so lange, bis Paul ausbüchst und der Film sich von einer inneren zu einer äußeren Odyssee wandelt, bei der gelegentlich die Frage aufplöppt, ob die unberauschte Welt nicht doch um einiges irrationaler ist.
Handlung ist nicht alles: die Prämisse aus der Feder Jack Nicholsons (!) kann man mit etwas Mühe auf zwei Blätter Zigarettenpapier schreiben, ohne dass etwas nennenswertes von Pauls (zunächst nicht allzu ausgeprägter) Persönlichkeit verloren geht. Der audiovisuelle Overkill, den Corman daraus 67 machte wiederrum geht auf keine Kuhhaut: Pauls Irrweg ist so dermaßen knallig bunt, dass einem teilweise die Augen schmerzen und mit einem absurden Ausmaß an Spielereien angereichert. Herr Fonda spielt die Rolle des faszinierten, aber mitunter auch verstörten Triplings im Übrigen verdammt gut, aber auch Dealer Dennis Hopper und Tripsitter Bruce Dern kommen sehr überzeugend rüber, wobei vor allem letzterer dem fragilen Paul ein großartiger Freund und Mentor in Sachen Mentalreise ist.
Ja, ich weiß, das klingt, als würde ich hier heimliche Drogenpropaganda betreiben, aber ehrlicherweise bin ich einfach recht begeistert davon, wie ernst der Film seine Materie nimmt und wie klein der moralische Zeigefinger ausfällt, ohne aber die Gefahren des Konsums völlig zu ignorieren: dementsprechend weiß ich es zu schätzen, dass Pauls Reise irgendwann nicht auf den Wechsel zwischen innerem Erleben und der verbalen Bearbeitung mit John beschränkt ist, sondern die Grenzen mit seinem Ausbruch verschwimmen und Paul einfach in Situationen landen lassen, die irreal, aber nicht vollkommen unmöglich sind.
Sollte man den Film gesehen haben? Meiner Meinung nach auf jeden Fall! Nur sollte man sich danach nicht direkt angeleitet fühlen, selbst zur Pappe zu greifen: dass der Film etwas gegen die rein rauschorientierte Anwendung hat macht er nämlich schon von Anfang an klar. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich diesem Hohelied der Straßenpharmazie hinzugeben. Außer man gehört zu der Crowd, die "Reefer Madness" für bare Münze nehmen. Dann sollte man den großen Bogen um diese Art Film beibehalten.