Mit Geschichten von Überläufern im Fokus ist man hierzulande natürlich bestens vertraut, aber auch in Südkorea gibt es zahllose Erzählungen über dieses Thema. Statt auf Non-Stop-Action zu setzen, räumt Regisseur Lee Jong-pil seinen Widersachern etwas Raum für Hintergründe ein, was regelmäßig für einen Bruch in der Dynamik sorgt.
Nach zehn Jahren Militärdienst könnte Lim in den verdienten Ruhestand gehen, doch er plant schon seit langem die Flucht nach Südkorea. Als Offizier Li auf seinen alten Jugendfreund aufmerksam wird, will er ihn für seine eigenen Dienste engagieren, doch Lim tüftelt weiterhin an seiner Flucht…
Jener Fluchtplan wird in den ersten Minuten recht anschaulich bebildert: Mitten in der Nacht, im Schlafraum mit Dutzenden Kameraden, springt Lim aus der Koje, schnappt sich einen Lageplan und eine Stoppuhr, rennt über ein Feld mit bereits markierten Minen, um kurz darauf wieder unbemerkt in den Schlafraum zurückzukehren. Hätte sich die Handlung nachfolgend an diesem Fluchtplan mit all seinen Hindernissen orientiert, wäre womöglich deutlich mehr Spannung erzeugt worden.
Denn leider verzettelt sich die Handlung mit zu viel Drumherum und vor allem Andeutungen, welche kaum vertieft werden. In welcher Relation die beiden Männer irgendwann standen, wird nie recht deutlich, ebenso wenig, warum der ruchlose Offizier nicht weiter als Konzertpianist tätig ist und anbei seine Neigung gegenüber Männern halbherzig versteckt.
Gleiches gilt für Zwischenstationen während der Flucht, etwa, als Lim auf Nomaden trifft, die eigentlich noch einen Häftling befreien wollen.
Gelungen ist hingegen die Wahl der Kulissen, denn die Zone nahe der Grenze wirkt teilweise wie ein ödes Niemandsland, ähnlich einer apokalyptischen Todeszone. Dazwischen ziehen sich schier endlos wirkende Straßen, wogegen ein Bankett und später eine Szene in einer Großstadt einen extremen Kontrast hierzu bilden. Zudem ist die versierte Kamera stets auf der Höhe und auch der abwechslungsreiche Score treibt zwischenzeitlich solide an.
Nur ist es um die Action selbst mehr schlecht als recht bestellt. Zwar gerät man phasenweise unter Beschuss, doch wirklich spannend gerät der Stoff eher selten, wie etwa beim Ausweichen der Suchscheinwerfer oder beim Charadespiel gegenüber misstrauischen Vorgesetzten. Auch hier versäumt man es, Schauwerte zu setzen oder clevere Einfälle einzufügen, denn selbst das Fälschen eines Ausweises wird zu beiläufig abgehandelt.
Mithilfe passabel aufspielender Mimen und einem tauglichen Handwerk kann sich der Stoff zwar sehen lassen und wird innerhalb der 95 Minuten Laufzeit nie langweilig, doch das richtige Mitfiebern bleibt leider aus. Dafür sorgen die wenig vertieften Hintergründe und ein Mangel an durchschlagender Action.
Knapp
6 von 10