Manisch-mäanderndes Moodpiece(beinahe)meisterstück
Zwischen „Taxi Driver“, „It Follows“, „Brick“, „She Dies Tomorrow“ und „Memento“ kommt „Gazer“ als eine recht sperrige, für mich aber völlig packende Mixtur - wenn eine (kranke?) Frau im Großstadtmoloch das Gefühl für Zeit, Leben, Beziehungen und Tod verliert…
Film Noir meets Elevated Horror
Eine anspruchsvolle Indieperle zwischen mehreren Stühlen - „Gazer“ hatte mich von Minute 1 an! Die Stadt und der Jazz, die Aura und das Andersartige, die Krankheit und die Welt unter der Welt. Ein frisches Hauptdarstellerinnengesicht. Edelste Kameraarbeit, ein sehr texturreicher Look, ein sehr nah- und nachgehender Trip. In seiner eigenen Welt. Auf seiner eigenen Welle. Mit Sogwirkung. Langsam und unaufhaltsam. Für mich die meiste Zeit komplett einnehmend und interessant. Trotz erstaunlich mutiger Laufzeit. Aber „Gazer“ hat etwas zu sagen, zu fühlen, zu übertragen und zu wühlen. Mal unangenehm, meist intim, oft creepy, durchaus emotional wenn man ihn an sich heranlässt. Manchmal talky, manchmal trantütig, meist stark und glaubhaft geschrieben. Ein bisschen Jarmusch, ein bisschen Argento, ein bisschen Cronenberg. Wie ein bizarrer, riesiger Schimmelfleck an der Decke, der sich in einem mysteriösen Muster ausbreitet… Für mich jetzt schon eine meiner kleineren Entdeckungen des Jahres. Ich mag den sehr! Mitternachtskino der in sich (un-)ruhenden Sorte. Gegen den Strom. Genauso noirisch wie spooky. Sehr speziell, sehr düster. Seelisch wie städtisch. „Gazer“ hatte mich wie gesagt schon bei „Hallo!“. Der wird völlig zurecht noch seine Runden auf Genrefilmfestivals drehen - selbst wenn nicht alle jubeln werden…
Bushaltestellenblues
Fazit: stilvoll, atmosphärisch, frisch, faszinierend, einlullend… Wer auf traumwandlerischen Arthousehorror, NYC und/oder sphärische Charakterpsychostudien steht, könnte hier einen neuen Favoriten finden!