Wenn Bollywood mal wieder mit dem nächsten Kitsch aufwartet, muss es ja auch mal irgendwann einen angemessenen Gegenpol geben. Diesen liefert Regisseur Nikhil Nagesh Bhat, indem er ein wenig auf den Pfaden von „Raid“ wandelt und auf engem Raum eine Schlachtplatte anrichtet.
Im Zug nach Neu-Delhi wollte Soldat Amrit eigentlich nur die Zwangsheirat seiner Geliebten verhindern, doch dann wird der Zug von Banditen gekapert, die nicht vor Gewalt zurückschrecken. Amrit und sein Kollege sehen sich berufen, die Passagiere zu retten und zu verteidigen…
Indien ist bekanntlich groß und so kann eine Zugfahrt auch schon mal ohne Zwischenstopp über einen recht langen Zeitraum vonstatten gehen. Folgerichtig spielt sich der Hauptteil der Handlung in den Abteils und Kabinen ab, - mal abgesehen von kleinen Kletterpartien auf dem Dach und einigen Auseinandersetzungen nahe dem tödlichen Ausstieg. Der Titel wird übrigens erst nach 45 Minuten eingeblendet und bildet gleichzeitig das Startsignal, um einen deutlichen Gang höher zu schalten.
Die Figuren und ihr jeweiliges Gefüge sind rasch etabliert. Zwangsehen sind grundlegend scheiße und so gibt es für den Helden ein nachvollziehbares Motiv ohnehin schon nicht gut gelaunt zu sein, was sich im Verlauf durch einige Zwischenfälle noch verstärkt. Nicht uninteressant ist indes auch die Konstellation unter den Banditen, die von einem älteren Herrn angeführt werden, während sein Sohn das ausführende Organ ist und offenbar alle irgendwie innerhalb einer unüberschaubar großen Familie agieren. Folgerichtig kommt es bei den Fieslingen sogar zu kollektivem Wehklagen, was gewiss auch nicht den üblichen Konventionen entspricht.
Das Hauptaugenmerk liegt natürlich auf der brachialen Action auf engem Raum, bei welcher der oft erprobte Einsatz des Feuerlöschers nicht fehlen darf. Auch dieser plättet Schädel, es werden Knochen, Genicke und wahrscheinlich sogar Innenorgane gebrochen, es gibt unzählige tödliche Hiebe mit spitzen Waffen und Alltagsgegenständen und am Ende einen enormen hohen Body Count und einen wahrscheinlich nur schwer zu reinigenden Zug.
Auch die Choreo versprüht eine gewisse Dynamik, obgleich die Moves auf engem Raum nicht übermäßig variabel ausfallen. Es wird stets die Übersicht behalten, während der Score zweckmäßig antreibt und man im Getümmel über die wenig erbaulichen Dialoge und manche nicht so überzeugende Darstellerleistung hinwegsehen kann. Es wird insofern schon mitreißend, weil sich die Gewalt und die Kompromisslosigkeit stets steigern, da es auf beiden Seiten Opfer zu beklagen gibt und Rachegelüste stets aufs Neue angeheizt werden.
Obgleich das Setting begrenzt ist, verströmt es in jedem Winkel ab einem bestimmten Zeitraum pures Adrenalin. Da mag man gegenüber der simpel gestrickten Story ohne sonderliche Twists ein Auge zudrücken, denn in Sachen brutaler Action wird man hier ziemlich versiert und auf den Punkt bedient.
Knapp
8 von 10