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Nachdem der Elite-Soldat Amrit erfährt, dass der Vater seiner Freundin Tulika deren Verlobung mit irgendeinem anderen Dödel arrangiert hat, tüftelt er gemeinsam mit seinem Kumpel Viresh einen Plan aus, um sich mit der jungen Frau heimlich aus dem Staub zu machen. Dummerweise wird der Nachtzug nach Delhi, in dem sich Tulika mitsamt ihrer Familie befindet, während der Fahrt von einem mehrere Dutzend Mitglieder umfassenden Clan von Banditen überfallen, die mit brutaler Gewalt die Passagiere einschüchtern und ausrauben. Zunächst hält sich Amrit noch mit der Gegenwehr zurück, aber als Tulika vor seinen Augen von dem Sohn des Gangster-Oberhaupts abgestochen wird, brechen alle Dämme und das kriminelle Gesocks wird ohne Gnade ausradiert... Zur Abwechslung mal was anderes aus Indien: Ganz Bollywood-unlike kommt der auch in Sachen Lauflänge überschaubar ausgefallene "Kill" ohne ausschweifende Tanz- und Gesangs-Einlagen daher, sondern stattdessen als vermeintliches "Stirb Langsam"-Rip-Off, welches da zunächst aufgrund des gewählten Settings durchaus als Low-Tech-Variante von "Alarmstufe: Rot 2" durchgeht... bevor das Ganze sich dann aber schnell zu einem ultra-harten Gewalt-Streifen wandelt, der mit launigem Radau-Entertainment wirklich nicht mehr viel am Hut hat. Tatsächlich ringt "Kill" dem leidigen Actionfilm-Klischee vom knallharten Einzelkämpfer durch einen dezenten Perspektivwechsel noch neue Aspekte ab und rückt das Ganze in den Randbereich des Slasherfilms, wenn sich der vermeintliche "Held" mit einer derartigen Vehemenz und Brutalität durch die Heerscharen von Handlangern arbeitet, dass man da beinahe schon Mitleid mit den Banditen bekommen könnte. Durch das Drehen an einigen, wenigen Stellschrauben wird so aufgezeigt, dass da lediglich Details den Unterschied zwischen einem John McClane und einem Jason Voorhees ausmachen (und so einen abstrus-überzogenen Body-Count gab es tatsächlich bei "Freitag der 13" nie!). Ist man von der Kompromisslosigkeit, mit der Nikhil Nagesh Bhat seinen "Kill" gestaltet hat (und bei der auch keinerlei Rücksicht auf etaige Sympathieträger genommen wird!), zunächst noch ziemlich beeindruckt, ist dann aber doch recht schnell der Punkt erreicht, an dem man sich als Zuschauer ob des übersteigerten Gewalt-Grades ohne echte Hurra-Momente ziemlich vor den Kopf gestoßen fühlt und unbefriedigt zurückgelassen wird, denn sowas wie 'ne tiefere Bedeutungs-Ebene sucht man in dieser Schlachtplatte völlig vergebens. Und mag der schiere Kunstblut-Verbrauch da auch noch so beachtlich sein, rein handwerklich erreicht "Kill" doch zu keiner Sekunde das Niveau von Gareth Evans' "The Raid"-Streifen, die da ja auch zum Vergleich herangezogen wurden, denn dafür ist die Inszenierung schlichtweg nicht ausgefeilt genug... und statt eindrucksvoll choreografierter Fights sind die Kämpfe auf engstem Raum hier doch eher nur rabiates Gekloppe und auch dem Hauptdarsteller geht das Charisma eines Iko Uwais komplett ab. Und von den Performances wollen wir da mal lieber gar nicht erst reden. Fazit: Zwiespältig und ein Downer, aber auf jeden Fall mal akkurat betitelt.

6/10

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