Ein unerklärlicher Schicksalsschlag veranlasst die junge Madrider Anwältin Ana Soriano (Clara Lago), ihr Leben völlig umzukrempeln. Eines Tages nämlich wird aus heiterem Himmel ihr Vater Jorge, der Bootstouren organisiert, ermordet. Ein mit gefälschten Papieren angereistes Pärchen hat ihn auf dem Gewissen, dies konnte ermittelt werden, doch zu den Hintergründen tappt die Polizei völlig im Dunklen. Ana und ihre Mutter können nicht verstehen, wie jemand ihren friedfertigen, stets liebevollen Vater und Lebensgefährten umbringen konnte.
Wenige Wochen später bei der Testamentseröffnung jedoch ergibt sich eine seltsame Spur: Jorge hatte ein geheimes Konto, von dem er in regelmäßigen Abständen anonym Geld auf die Konten zweier Frauen im weit entfernten Galicien überwiesen hatte, und diese Überweisungen, so verkündet es der damit betraute Anwalt, sollen auch weiterhin beibehalten werden. Mutter und Tochter sind völlig perplex über diese ihnen völlig unbekannte Tatsache, auch kennen sie niemanden in der nordwestspanischen Provinz Pontevedra. Als Ana dann zu ihrem Vater im Internet recherchiert, entdeckt sie, daß jener viele Jahre zuvor in Drogengeschäfte in Galicien verwickelt war, dann als Kronzeuge aussagte und in ein Zeugenschutzprogramm übernommen wurde. Daraufhin fasst sie den Entschluß, ihre Karriere in einer großen Madrider Kanzlei zu beenden und nach Cambados an der Küste zu ziehen - sie will unbedingt dahinterkommen, wer ihren Vater ermordet hat.
Schon bald nach ihrer Ankunft arbeitet sie sich dort in die Unternehmungen der Familie Padin ein, welche den Rauschgifthandel vor Ort kontrolliert. Während Vater Padin noch eine Haftstrafe verbüßt, führt dessen Sohn Daniel (Tamar Novas) in der Zwischenzeit die Geschäfte. Schnell wird der eher sanftmütige Daniel auf den gleichaltrigen schlanken Neuankömmling aufmerksam...
Von der Ausgangslage her - eine Anwältin, die auf eigene Faust in der Fremde ermittelt - könnte die spanische Netflix-Produktion Gangs of Galicia durchaus ein spannender Krimi werden, doch leider gebricht es dem unter der Regie von Roger Gual und Javier Rodriguez entstandenen 7-Teiler schon im Aufbau der Story an realitätsnahen Umständen. Im weiteren Verlauf dann stellt sich statt brenzliger Situationen und spannender Ermittlungen eine schlichte Romanze als Hauptsujet des Drehbuchs heraus und enttäuscht die Erwartungshaltung des Zusehers. Der Titel Gangs of Galicia ist dabei ebenso wie der Alternativtitel Clans reiner Etikettenschwindel, denn zum einen handelt es sich nur um einen kriminellen Vater mit ein paar wenig auffälligen und vergleichsweise fußlahmen Handlangern, zum anderen tritt dieses Familienunternehmen nicht in Konkurrenz zu anderen "Clans", womit die Mehrzahlerwähnung ebenso nur verkaufsförderndes Geschwurbel darstellt.
Daß Ana in sehr jungen Jahren nichts von den Aktivitäten ihres Vaters mitbekommen hatte, kann man noch durchgehen lassen, daß sie als ebenso ambitionierte wie attraktive Anwältin Mitte Dreißig völlig ohne PartnerIn lebt, ist dagegen äußerst merkwürdig, und daß es dem ebenfalls gutaussehenden Daniel als zeitweiligem Geschäftsführer eines Drogenrings ebenso geht und er sich Hals über Kopf in die sehr schlanke, sportliche Brünette verliebt, wirkt noch mehr konstruiert und ist schlicht unrealistisch. Auch daß Ana ihre Karriere auf- und sich selbst in Gefahr begibt, erscheint wenig plausibel - noch unglaubwürdiger allerdings ist der Umstand, daß niemand aus der Familie Patin Verdacht schöpft oder den Neuankömmling, der sehr schnell von Daniel als Anwältin für heikle Angelegenheiten engagiert wird, zumindest einmal gründlich durchleuchtet. Dies geschieht erst ziemlich zum Schluß der Serie seitens des Anwalts von Vater Patin, da ist es aber schon zu spät.
Auch das Mordmotiv an Anas Vater (siehe Einleitung) wird filmdramaturgisch viel zu früh aufgedeckt, und daß der im Knast Sitzende den Auftrag dazu gab, steht auch bald fest. Nur handfeste, vor Gericht zählende Beweise dafür gibt es noch nicht, während sich Ana immer mehr zur Komplizin von Daniel macht und die Linien zwischen heimlichem Herumschnüffeln und Gefälligkeiten aus Liebe immer mehr verwischen.
Wenig spektakulär auch die spärlich eingestreuten Actionszenen, kaum interessant einige Handlungsstränge um belanglose Nebenfiguren, schwer mißlungen Anas Afrikareise als Drogenvermittlerin (eine von mehreren schwach adaptierten Ideen aus thematisch ähnlich gelagerten, allerdings richtigen Gangsterfilmen) und kaum glaubwürdig der romantisch veranlagte Berufssohn mit seiner Vorliebe für schnelle Autos und gute Kleidung, der so gar nicht die kriminelle Energie seines einsitzenden Vaters geerbt hat.
Gangs of Galicia plätschert die meiste Zeit träge vor sich hin, die 7 Episoden zu je etwa 40 bis 50 Minuten haben inszenatorisch nicht den geringsten Wiedererkennungswert, und da die mittelmäßige Lovestory auch noch jegliche Spannung vermissen läßt, kann man sich die Serie getrost schenken. Da gab und gibt es - namentlich aus Spanien - wesentlich Besseres. 3 Punkte.