Beim klassischen Werwolffilm erwartet das Publikum natürlich das Ausfahren der Krallen und die verbreitete Angst an Vollmondnächten. Letzteres ist bei dem Familiendrama von Regisseur Alexander J. Farrell durchaus gegeben, doch es ist zu minimalistisch konzipiert, um auf emotionaler Ebene mitzuziehen.
In den 1960ern lebt die zehnjährige Willow (Caoilinn Springall) mit Mutter Imogen (Ashleigh Cummings) und Vater Noah (Kit Harington) auf einem verlassenen Bauernhof in England. Das Mädchen beobachtet, wie die Mutter den Vater immer an Vollmondnächten in den Jeep packt und in den Wald fährt, wonach Noah am nächsten Tag oft lethargisch wirkt. Einmal schleicht sich Willow ebenfalls in den Wald und entdeckt ein düsteres Geheimnis…
Mit Waylon (James Cosmo) als Großvater erweitert sich das Gefüge auf vier Hauptfiguren, die allesamt in einer toxischen Beziehung zueinander leben. Willow, die an einer nicht näher definierten Atemwegserkrankung leidet und regelmäßig die Zufuhr durch eine Sauerstoffflasche benötigt, beobachtet und vor allem lauscht dem Treiben ihrer Eltern. Somit nimmt man automatisch die Perspektive des Kindes ein, welches einiges früh erahnt, doch nur selten etwas konkretes erhält, da die Eltern als auch der Großvater Geheimniskrämerei betreiben.
Vielmehr steht die Unberechenbarkeit des Vaters im Mittelpunkt, was ein wenig an den zweideutigen Titel andockt, da es anbei auch um häusliche Gewalt und Missbrauch geht, was allerdings nur angedeutet wird. Noah kann in einem Moment der smarte spielerische Kumpeltyp sein, was im nächsten Moment ohne erkennbaren Grund in Gewalt oder zumindest Ärger umschlägt.
Die gelungenen Aufnahmen der rauen Landschaft unterstreichen die Isolation der Familie treffend und obgleich Willow auch mal kurz ans Steuer des Wagens darf, um ein wenig Freiheit zu schnuppern, gleicht ihr Lebensraum dem eines erweiterten Gefängnisses. Einzig ihr Großvater versucht das Kind zu schützen und drängt im Stillen auf eine Veränderung, während Imogen zwischen der Liebe zu Kind und Mann hin und her gerissen ist.
Dies alles könnte emotional aufwühlen, doch die überaus langsame Erzählweise und der deutliche Mangel an Spannung und Abwechslung verhindern dies. Man blickt nur selten über den Tellerrand hinaus, die Geschichte hat schlicht zu wenig zu vermitteln und darüber hinaus schauen reine Horrorfreunde komplett in die Röhre. Denn mit einer Werwolferscheinung im Halbdunkel innerhalb der letzten Minuten erreicht man auch nichts mehr.
Obgleich alle vier Mimen mit soliden Leistungen überzeugen, das Setting und der Score stimmig sind und die Kamera weitgehend effektiv eingesetzt wird, enttäuscht das Werk aufgrund seines eindimensionalen Treibens ohne jeglichen Biss. Der Mangel an Action ist dabei weniger das Problem als die ausbleibende emotionale Wucht, um die Dualität des Unterfangens angemessen zu untermauern.
4,5 von 10