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Nach der vergangenen US-Wahl läuft das Land ein wenig Gefahr, in die Zeiten des guten alten Wilden Westens zurückzurudern. Wobei, gut waren gewiss auch diese Tage nicht. Obgleich sich einige historische Entwicklungen in manchen Western wieder finden, geht es hier im überschaubaren Rahmen um die Konsequenzen eines Goldraubs.

1882:Wild Bill, Boone, Henrietta und Tulsa haben soeben einen Sack voll Gold aus einem Zug erbeutet und verschanzen sich im Wald. Als die Beute am nächsten Morgen verschwunden ist, verdächtigen sich die vier gegenseitig…

Die leicht verschachtelte Erzählweise, die zudem in Kapitel eingeteilt ist, wäre vor Jahren noch ein klarer Fall für Regisseure wie Tarantino oder Rodriguez gewesen. Die eher unerfahrenen Filmemacher Joey Palmroos und Austen Paul verzetteln sich jedoch recht früh und schaffen es schlichtweg nicht, spannende Szenarien zu entwerfen.

Mittels Rückblenden und fett eingeblendeter Figurennamen sollen Hintergründe etwaiger Protagonisten vermittelt werden, doch einige Anekdoten, die besonders viel Coolness und Flair versprühen sollen, laufen komplett ins Leere. Was raffiniert und bestenfalls tiefgründig erscheinen soll, wird mit schroffen Dialogen auf ein recht niedriges Niveau gebracht, denn nicht eine Figur erscheint auch nur ansatzweise sympathisch.

Obgleich die Ausstattung einigermaßen zweckdienlich ausfällt, gibt es im austauschbaren Wald kaum Abwechslung. Nach einigen Szenarien sind die Möglichkeiten rasch erschöpft, weshalb man im finalen Akt einen Eric Roberts bemüht, der die Konstellation noch einmal aufmischen soll. Es gibt zwar minimale Finten, kleine Intrigen und tödliche Täuschungen, doch überrascht wird man im Zuge dessen nicht. Eher findet sich eine Art Notlösung, um vom eigentlichen Verschwinden des Goldes abzulenken.

Das mit augenscheinlich geringem Budget verwirklichte Projekt fällt unterm Strich deutlich zu dialoglastig und bewegungsarm aus. Die wenigen Gewalteinlagen in Form von blutigen Einschüssen sind teils sehr schwach per CGI umgesetzt, wogegen Faustschläge und Messerstiche grundlegend ins OFF verfrachtet werden. Da retten der taugliche Score und die passablen Darstellerleistungen auch nicht mehr viel.

Western können durchaus Freude bereiten und unterhaltsam ausfallen, doch hier wollte man die Chose mit Krimielementen anreichern, was größtenteils misslingt. Die verschachtelte Erzählweise mit Rückblenden und kleinen Intermezzos ist dramaturgisch unausgereift und Suspense entfaltet sich allenfalls ansatzweise. Immerhin entstehen innerhalb der nur 78 Minuten Laufzeit keine erschwerenden Längen.
4 von 10

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