Papaprimer
Als ob "Strange Days" und "Primer" in der Pandemie ein brütendes Baby gezeugt hätten, erzählt "Transient" als Indie-Sci-Fi-Tipp von einem traumatisierten Vater und Wissenschaftler, der zusammen mit seinem Kumpel ein Gerät entwickelt mit dessen Hilfe man vergangene Gedanken und Emotionen scheinbar erneut erleben kann... oder gar noch mehr als das?!
Sad Mirror
Mit solchen Trauma-Indieperlen muss man mittlerweile etwas vorsichtig sein. Zu oft wurde diese Box der Pandora in den letzten Jahren aufgemacht und benutzt. Aber "Transient" kauft diesem Blickwinkel sehr vielschichtige und sich nahezu nie abgenutzt anfühlende Facetten ab. Die Gesichter sind frisch, die emotionalen Tiefschläge sitzen trotz ein paar Klischees, die technischen Filmseite ist brillant und flext ganz schön mit Tricks und tollen Tücken. Vor allem die Soundkulisse hatte mich durch Kopfhörer ein ums andere Mal am Schlafittchen. Gänsehaut unbedingt einkalkulieren. Und die Mischung aus harter Sci-Fi, Horror und nachvollziehbarem Drama sitzt einfach rüttelfest. Laufzeit knapp, Vorurteile unterlaufen, Atmosphäre belastend. Nicht zu verkopft, nicht zu langsam. Aber doch alles sehr schwer und tragend. Für mich ganz eindeutig ein empfehlenswerter Sci-Fi-Gem für mitdenkende und nicht unbedingt Action brauchende, gereifte Zuschauer. Schade, dass der bisher nicht mehr ausgewertet wurde. Zumindest auf Genrefestivals. Vergleiche mit "Possessor" des "kleinen" Cronenberg bieten sich auch an. Aber wesentlich intimer und ruhiger.
Klangwelten aus dem Jenseits
Fazit: Stylisch, intensiv, emotional. Sogar verdammt creepy zwischendurch. Ein echt düsterer Sci-Fi-Trip in die paralysierte Papapsyche!