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„Ich glaub‘, ich bin in einem B-Film und nicht bei der Mordkommission!“

Die zweite Hälfte der 1980er entpuppte sich als gute Zeit für Horrorkomödien. Seinerzeit zwischen „House“, „Critters – Sie sind da!“ und „The Return of the Living Dead“ etwas untergegangen, avancierte das Debüt des jungen US-Regisseurs und „House“-Drehbuchautors Fred Dekker, die Science-Fiction-Horrorkomödie „Die Nacht der Creeps“, im Laufe der Jahre zu einem Kultklassiker in Genrefan-Kreisen. Mit „Monster Busters“ legte Dekker ein Jahr später eine weitere Horrorkomödie nach, bevor er bereits nach seinem dritten Film „RoboCop 3“ seine Regiekarriere quittierte.

1959 irdischer Zeitschreibung: Starrgesichtige hässliche Babys in Strampelanzügen, die sich als Außerirdische in einem Raumschiff entpuppen, versagen bei ihrem Versuch, einen der ihren aufzuhalten, etwas durch die Luftschleuse ins All zu schleudern. Dieses Etwas landet als Meteorit in einer Gegend der USA, in der gerade ein entflohener Axtmörder sein Unwesen treibt. Nun überschlagen sich die Ereignisse: Eben noch hat Johnny (Ken Heron) unter freiem Himmel mit seiner Freundin im Auto geknutscht, da springt der Inhalt des Meteorits, ein nacktschneckenartiges Alien, in seinen Mund, während der irre Killer seine Freundin einen Kopf kürzer macht. Schnitt, wir schreiben das Jahr 1986: An der örtlichen Corman-Universität wurde die Pledge Week ausgerufen, die Studenten sind in Feierlaune. Chris Romero (Jason Lively, „Projekt Brainstorm“) will in die Beta-Studentenverbindung aufgenommen werden, um an die heiße Cynthia Cronenberg (Jill Whitlow, „Thunder Run - Geheimcode Charly“) heranzukommen. Dafür muss er auf Geheiß des Bundeswehr-Achselhemden tragenden Kotzbrockens Brad (Allan Kayser, „Hot Chili“) jedoch erst eine Mutprobe bestehen: Er soll eine Leiche stehlen. Zusammen mit seinem gehbehinderten Kumpel J.C. Hooper (Steve Marshall, „Shades of Love - Tangerine Taxi“) suchen sie das örtliche Leichenschauhaus auf und finden dort den durch Einfrieren konservierten Johnny vor. Sie packen sich ihn, werden jedoch entdeckt, lassen den kalten Körper fallen und suchen das Weite. Was sie nicht ahnen: Die außerirdische Kreatur springt aus dem tauenden Johnny auf den Labortechniker über... Der Ex-Freund der eingangs Enthaupteten, Detective Ray Cameron (Tom Atkins, „Die Klapperschlange“), träumt derweil schlecht von der damaligen Horrornacht, in der er, nachdem er seine ehemalige Angebetete gefunden hatte, Rache schwor. Bald soll er Gelegenheit dazu bekommen, denn nicht nur Johnny stapft barfuß durch die Gegend, auch der Labortechniker ist fortan von den sich rasant vermehrenden Creeps gesteuert, die ständig neue Wirte suchen…

Nach dem Prolog im All zeigt Dekker die 1959 spielenden, an den „Blob“ und andere Sci-Fi-Horrorklassiker aus den 1950ern erinnernde Szenen stilecht in Schwarzweiß und sorgt für eine herrlich nostalgische Stimmung, um sich nach dem im Off stattfindenden Axtmord (die Kamera blendet rechtzeitig ab) ganz den knallbunten 1980ern zu widmen. „Die Nacht der Creeps“ ist eine zitatenreiche Hommage an das Horrorgenre, angefangen in den 1950ern über Cronenbergs „Shivers“ bis hin zu den splatterigen Zombieklassikern eines George A. Romero. Idealerweise vernachlässigt er seine eigene Handlung dabei kaum und funktioniert so auch ohne jegliches Insider-Vorwissen. Quasi sämtliche Charaktere erhielten die Nachnamen verdienter Genrefilmer (neben den Genannten werden einem Detective Landis, Sgt. Raimi, Mr. Miner und James Carpenter vorgestellt, auch der Name Cunningham fällt). Wer diese Namen nicht zuordnen kann, dem wird das schlicht nicht auffallen. Ebenso zurückhaltend äußert sich der feine Humor, der nie zu sehr in Albernheiten abdriftet. Die Spezial- und Make-up-Effekte haben es in sich und lassen es auf gehobenem Niveau splattern, vor allem, wenn den zombieartig umherschlurfenden Wirten aufgrund der rasenden Vermehrung der Creeps in ihrem Hirn der Schädel platzt und die schleimigen, aber wieselflinken Kriecher herausschießen. Auch Tiere können befallen werden und so bekommt man u.a. eine Zombiekatze zu Gesicht – und während sich im TV gerade Tor Johnson in „Plan 9 From Outer Space“ aus seinem Grab quält, ersteht analog dazu sogar der Axtmörder als Skelett wieder auf. Freunde handgemachter ‘80er-Horroreffekte können frohlocken!

Bevor im Finale sogar, ähnlich wie später in „Braindead“, der Rasenmäher zum Einsatz kommt, wird „Die Nacht der Creeps“ mit ein paar sexy Szenen ebenso zusätzlich aufgepeppt wie von einem Cameo der Genre-Ikone Dick Miller, „Shaun of the Dead“ vorgreifenden Ideen wie der des Tonbands, das J.C. kurz nach seinem Befall für Chris aufnimmt und natürlich einem zeitgenössischen, nie unpassenden ‘80er-Pop-Soundtrack. Dieser lässt zudem Raum für auch mal an „Goblin“-Scores erinnernde Momente und macht im Prolog Platz zugunsten ‘50er-Schmusesongs. Schauspielerisch wäre jedoch sicherlich etwas mehr drin gewesen, Lively und Marshall erscheinen wenig charismatisch, sind im Vergleich zu beispielsweise den erinnerungswürdigen Gestalten aus Dan O'Bannons Zombiekomödienkracher weniger memorabel und bleiben insbesondere gegenüber dem mit parodistischen Zügen den Härtner-Bullen spielenden Atkins etwas blass. Auch die Dialoge hätten, zumindest in der deutschen Synchronfassung, etwas mehr Esprit vertragen können. Doch das sind lediglich Abzüge in der B-Note für dieses ansonsten fulminante Genre-Vergnügen von Genre-Kennern und -Fans für ebensolche, das seine Zutaten und Qualitäten derart wohldosiert einsetzt, dass nicht nur keinerlei Längen aufkommen, sondern man mit Einsetzen des Abspanns unmittelbar Lust auf MEHR hat!

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