Review

Schmutzige Sternstunde

Nach „Bube, Dame, König, Gras“ hatte Guy Ritchie etwas zu beweisen - dass er kein One-Hit-Wonder ist, dass er keine reine Tarantino-Kopie von der Insel ist, dass er sich im Filmbiz halten können wird. Und mit „Snatch“ schoss er fast schon über diese Ziele hinaus - und schuf eventuell gar den Höhepunkt seines Schaffens… Erzählt wird in der Gangstercollage flott und furios von einem schiefgegangen Diamantenraub, von fingierten Boxkämpfen und einer Londoner Unterwelt im humorvollen Clinch mit sich selbst… 

Britisch, bonkers, bockstark

„Snatch“ wurde mariniert in Coolness, Chaos und Charme. Die vielen Figuren und ihre Sprüche, die Stars und ihre Aura, die britischen Akzente und Gewaltausbrüche. Ich habe jedes Mal eine höllisch gute Zeit! Mir fällt im Grunde kein „Gangsterfilm“ ein, bei dem ich mehr und zuverlässiger lache. Das ist lässig, das ist originell, das ist bei weitem nicht nur ein „britischer Tarantino“. Das hat absolut Eigenständigkeit. Das setzte Maßstäbe und Trends (vor allem in Europa!). Das hat noch wesentlich mehr Tempo und Schmackes als beispielsweise ein „Reservoir Dogs“. „Snatch“ ist ein einziges Schaulaufen für Ritchie und seine Konsortien. Unendlich zitierbar, unvergesslich, trotz seiner Sprunghaftigkeit und Unübersichtlichkeit und sicher auch Oberflächlichkeit. Ungehalten, ungeniert, unverfälscht. Besser wurde Ritchie nie mehr. Schwarzer Humor und graues Wetter. Kopfsteinpflaster und Konsequenzen. Perfekt für Trinkspiele wie Hausparties. Anfang der 00er ging ohne „Snatch“ gar nichts. Und er hat sich exzellent gehalten! 

Fazit: (mind.) genauso gut wie Ritchies Debüt… Was für ein köstlicher, cooler und wahnsinniger 1-2-Punch! Wild, frech, chaotisch. Vielleicht (mit „A Fish Called Wanda“?) der lustigste „Gangsterfilm“ von allen. Phänomenal! Ein (moderner) Klassiker! 

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