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Robert Louis Stevensons Romanklassiker "Die Schatzinsel" gehört, ohne Frage, zum literarischen Kulturgut unserer Erde. Kaum ein zweiter Piraten-Roman konnte seine Leser so derart fesseln, wie dieses Buch. Klar das es deshalb auch Verfilmungen wie Sand am Meer gibt. Eine der besten Verfilmungen stellt dabei diese (hier in der Ofdb leider recht unbekannte), mittlerweile fast 55 Jahre alte, Disney-Version da, die all das besitzt, was man nach dem Lesen des Romans erwarten darf.

Drehbuchschreiber Lawrence Edward Watkin hat das Buch relativ detailgetreu umgesetzt, was man eigentlich in jeder Szene merkt. Zwar muss die Geschichte, durch die relativ geringe Filmlaufzeit von 90 Min, schon ein paar Federn lassen, doch alle wichtigen und relevanten Stellen sind enthalten.

Prächtigst ist die Inszenierung geraten, die bei jedem Fan von Piratenfilmen das Herz höher schlagen lässt. Was Regisseur Byron Haskin und sein Team hier gezaubert haben, ist ein Fest für Aug und Ohr. Prächtige Kulissen, detailverliebte Ausstattung und exzellente Kostüme, lassen das Piratenabenteuer Wirklichkeit werden. Hier sehen die skruppelosen Piraten noch wirklich so aus und die Schiffsbesatzung, nebst dem jungen Jim Hawkins, führt zu einem idealen und glaubwürdigen Wert des Ganzen. Durch die dadurch entstehende, perfekte, Atmosphäre, schmeckt man förmlich den Rumgeschmack im Mund und spürt die raue Seeluft, die um einen ist. So muss das sein!

Wer jetzt aber denkt, dass Disney hier (wie meist üblich) einen harmlosen Film produziert hat, der irrt gewaltig. Wie es zum Buch und in richtige Piratenfilme gehört, knallt es auch hier ordentlich. Es wird gekämpft, geschossen und gemordet. Säbel rasseln, Kanonen feuern und Messer fliegen durch die Luft. Das Piraten keine harmlosen Seeräuber waren, merkt man hier gewaltig. Selbst einige blutige Details werden nicht außen vor gelassen, genauso wie die rauhen Dialoge der Seefahrer untereinander. Jugendfrei bleibt das Ganze zwar schon, aber harmlos ist da auch was anderes.

Doch was währe die grandiose Inszenierung ohne die brillanten Darsteller? Hier hat sich wirklich ein großartiges Schauspieler-Team zusammen getan, was dem Buch alle Ehre macht. Da wäre zum einen der (hier gerade mal 13 Jahre alte) Bobby Driscoll, der den jungen Jim Hawkin wirklich exzellent zu Schau stellt und definitiv eine der besten Schauspielerleistungen ablegt, die je ein Kind gemacht hat. Dazu Robert Newton als schmieriger Halunke Long John Silver und Basil Sydney als Captain Smollett. Alle spielen auf einem Niveau, dass man sich nur wünschen kann. Wenn doch nur alle Filme so gut bestückt wären.

Fazit: Brillant inszenierter, detailverliebter und Romangetreuer Schatzinsel-Film, der wohl jeden Piratenfilm-Fan restlos begeistern dürfte. Geniale Kulissen, eine großartige Ausstattung und dazu höchst talentierte Schauspieler, lassen einen für 90 Minuten in Stevensons Roman nur so versinken. Einzelne Alterserscheinungen sind zwar nicht ganz zu übersehen, aber selbst nach den stolzen 55 Jahren, die der Streifen fast auf den Buckel hat, bietet er einem noch immer höllisch gute Unterhaltung!

Wertung: 8,5/10 Punkte

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