Die Leinwand ist geduldig, besonders bei solchen Genrefilmen. NEVER LET GO ist eine reine Ansammlung abgehangener Klischees. Das Ambiente ist Endzeit, die Prämisse mal wieder eine Kernfamilie allein in einem Wald. „Momma“ (immerhin Halle Berry, die spielt, als rechne sie mit ernsthaften Oscarchancen) und ihre zwei Jungs können das Haus nur mit nabelschnurartigen Seilen gesichert verlassen, um Essen zu organisieren (u.a. frittierte Baumrinde). Lassen sie los, werden sie von unheimlichen Untoten bedrängt – ergo der Filmtitel. Die „Begründung“ dieser Familienmythologie bekommen wir von einer Kinderstimme im Off serviert.
Es ist von Anfang an sehr wahrscheinlich, dass Mutti nicht ganz zurechnungsfähig ist: Hat die Welt außerhalb wirklich aufgehört zu existieren? Hat sie ihren Mann getötet, weil er vom Bösen besessen war? Gibt das Haus ihnen tatsächlich den einzig möglichen Schutz? Oder ist sie doch nur eine psychisch kranke Überhelikoptermutter, die ihre Kinder nicht loslassen kann und ihnen deshalb Schauermärchen auftischt?
Mit zunehmender Laufzeit beschleicht einen immer mehr das Gefühl, M. Night Shyamalan hätte diesen Film schon mal gedreht. Einer der „überraschenden Twists“ von NEVER LET GO stammt dann auch tatsächlich aus seinem Oeuvre. Wirklich überraschend ist hier nur, dass ein im Grunde absolut fähiger Spannungsregisseur wie Alexandre Aja (HAUTE TENSION, OXYGEN, CRAWL) hier keinerlei Stimmungsaufbau hinbekommt und lediglich mit billigen Jumpscares arbeitet, die zudem meist über den Schnitt hinzugefügt wurden, also doppelt manipulativ eingesetzt werden.
Trashige und schlechte Filme sind wir aus dem Genre ja gewohnt. Das Fatale an NEVER LET GO: er ist einfach wahnsinnig langweilig.