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Greenleaf ist ein vermögender Herr alter Schule. Er hat alles: Erfolg als Reeder, Geld wie Heu, nur keinen Sohn mehr, denn der ist aus den USA abgehauen ins lebenslustige Italien. Dort gefällt es dem umtriebigen Sohnemann namens Dickie äußerst gut, schließlich hat er ebenso lebenslustige Freunde und eine äußerst sympathische und attraktive Freundin: Marge.

Doch Paps möchte ungern monatlich Schecks in nicht unbeträchtlicher Höhe ins Nirwana senden, und so sucht er nach einer Möglichkeit seinen Nachwuchs nach Hause zu beordern. Doch der ist alt genug, wie er findet, und macht was er will - nur eines nicht: zurück kehren. Also zieht der Herr Vater neue Saiten auf: Kurzum wird ein talentierter Mensch beauftragt seinen Sohn nach Hause zu bringen. Mr. Ripley scheint dafür wie geschmiert zu sein.

Matt Damon gibt den Sohn-nach-Hause-Holer in so sympathisch dilettantischer Manier, daß man fast den Verdacht bekommt er wäre authentisch. Auch als die Situation kippt und Ripley härtere Gangarten einlegt, fragt man sich permanent: ist er ein sympathischer Kerl? Ist der das personifizierte Böse? Ist er ein berechnender Mörder? Tut es ihm wirklich leid? Ist er in Marge verliebt, oder in Dickie?

Bis zuletzt klärt sich die sexuelle Orientierung Ripleys nicht wirklich. Auch die später auftauchende Meredith scheint ihm ganz schön den Kopf zu verdrehen. Geht Ripley nur darauf ein um auch hier wieder Vorteile für sich zu erlangen? Das Spiel mit der Homosexualität gelang Anthony Minghella in bemerkenswerter Weise, eine angenehme Ausnahmeerscheinungen im heutzutage üblich gewordenen Einerlei des Primitivsumpfes. Überhaupt gelang dem Regisseur ein erstaunlich ruhig inszenierter Krimi - die Charaktere werden sauber gezeichnet und herausgearbeitet. Jude Law, Gwyneth Paltrow, aber auch Cate Blanchett und Matt Damon harmonieren in allen Belangen miteinander und Hoffman darf hier als Schmierlappen (spätere Paraderolle in "Roter Drache") seinen Ruf begründen.

Alles in allem ein voller Erfolg. Könnte man meinen... denn trotz alledem täuscht der Film über einige Längen kaum hinweg, und gerade Ripleys verworrene sexuelle Orientierung und die damit verbundenen Fragen und Beziehungen scheinen doch stellenweise nicht ganz nachvollziehbar und damit leider unrealistisch. Letzteres gilt in besonderem Maße für das Verhalten der italienischen Polizei. Ungeklärt bleibt bis zuletzt, wieso Ripley sich die ganze Zeit so durchwursten und letztlich sogar das Land verlassen konnte.

Auch über das Ende läßt sich vortrefflich streiten. Warum kann Ripley sich nicht nach getanem Werk gemütlich zurück lehnen und sich seines Erfolges freuen? Mußte der letzte Mord wirklich noch sein? Ebenfalls ein Wermutstropfen bleibt die allzu glatte Wendung als Ripley wieder Greenleaf begegnet und statt erwarteter Probleme noch die Lorbeeren erntet. Daß der alte Herr das Verschwinden seines Sohnes einfach akzeptiert und keine weiteren Fragen stellt, nicht mißtrauisch wird und Ripley sogar noch unterstützt, das alles erscheint dann doch mehr hollywoodlike als nachvollziehbar.

Aber die Quintessenz bleibt nichtsdestotrotz positiv. "Der talentierte Mr. Ripley" ist gepflegte Spannung, bei dem man getrost noch von "Niveau" sprechen kann. Ein Thriller der ganz ohne Effekthascherei und großem Knall-Bumm auskommt. Leise Töne machen eben auch gute Musik.

(6/10)

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