Review

Ein fast lilaner Mittag

"Der talentierte Mr. Ripley" ist einer der entspanntesten und elegantesten Thriller der 90er. Als Remake des Alain Delon-Klassikers "Purple Noon" ein komplimentärer Erfolg, als umgekehrtes Murder-Mystery eine Ausnahmeerscheinung. Wir folgen dem, im klasssischen Sinne, Bösewicht der Geschichte, Tom Ripley, der von einem Großindustriellen nach Bella Italia geschickt wird, um dessen leichtlebigen Sohn zurück in die Staaten zu holen. Dort versteift er sich etwas auf den extrovertierten Playboy und seine Obession endet in einem legendären Identitätstausch...

Anthony Minghellas legeres Verwirrspiel ist die perfekte Fusion aus 90er-Weinstein-Oscarbait und anspruchsvollem Thrillerkino mit durchdringendem Stil und leichtfüßigem Charme. Realismus darf man kaum erwarten, dafür windet sich der Alptraum/Traum einer verlorenen, cleveren Seele zu sehr in Last-Minute-Rettungen und Deus Ex Macchinas. Spaß & Spannung bringt der Weg durch die seelische Dunkelheit inmitten der Sonne Italiens dennoch. Bis heute hat man Matt Damon nie wirklich besser gesehen. Und Jude Law ist ein Duracell-Häschen, um dessen Abwesenheit man in der zweiten Spielhälfte durchaus trauern darf. Der Rest des Casts ist ebenfalls handverlesen.

"Der talentierte Mr. Ripley" ist eine packende Melange aus böser Krimisatire und melancholisch-traurigem Porträt eines faszinierend-kaputten Charakters. Das Böse spielt hier die Hauptrolle. Gewinnt. Vor allem Herzen. Seltsamerweise. Es versteckt sich nichtmal. Zumindest uns Zuschauern. Die menschlichen Dämonen tanzen in den lichtdurchfluteten Gassen Romas und Venedigs als gäbe es kein Morgen mehr. Man will mittanzen. Man will sie akzeptieren. Trotz Furcht. Trotz Respekt. Trozu Ungewissheit. Und ein Atmosphärefilm ist es noch dazu. Eine der besten Highsmith-Adaptionen da draußen. Tom Ripley ist ein mysteriöser Antagonist, wie man ihn sich nicht besser träumen könnte. Voller Begierde, Verzweiflung und Raffinesse. Vielleicht sogar eine glänzende Projektionsfläche. Unangenehmerweise.

Fazit: lasziv, lässig, sonnig - ein mehr als nur talentiertes Remake. Fast auf dem gleichen Niveau wie "Plein Soleil". Law ist verspielt, Damon verschmitzt, Paltrow verpeilt und der Zuschauer verzaubert. Keine Hochspannung aber hohe Kunst.

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