Jahrzehnte warteten die Fans auf ein Remake. Dann kamen Gerüchte auf, dass David Fincher das in Angriff nähme. Doch dessen Killer hatte nichts mit dem Hongkong-Film von damals zu tun. Und jetzt also der Meister selbst mit einer Neuinterpretation. Das Ergebnis enttäuscht - das soll ein echter John Woo sein?
Die Geschichte ist im Prinzip diesselbe, es gibt nur wenige Abweichungen. Grösste Änderung gegenüber damals sind der Killer selbst, welche jetzt eine Killerin ist und die Location, der ganze Film spielt in Paris.
Für sich alleine gesehen wäre das sicher kein schlechter Film. Er besitzt Tempo, es gibt Action, zig Ballereien, handwerklich ist das ordentlich gemacht. Aber es gibt auch ein wenig Kritik: Die neue Hauptdarstellerin schlägt sich tapfer, kann gut kämpfen und macht alles in allem eine gute Figur. Im Vergleich zu Chow Yun-Fat ist es natürlich eine Witzfigur. Während selbiger eine unfassbare Aura eines Gentleman-Gangsters mitbrachte, ist davon nun gar nichts mehr übrig geblieben. Die neue Figur versucht zwar auch, einsam und melancholisch herüberzukommen, aber nur vom Füttern des Goldfischs wird dieser Eindruck nicht vermittelt. Vielleicht ist sie aber auch nur zu jung, eine ältere Schauspielerin hätte das vielleicht noch geschafft. Dennoch glaube ich persönlich nicht, dass der Geschlechterwechsel eine gute Idee war. Yun-Fat als Killer ist eine Ikone, das ist als würde man Melissa McCarthy z.B. zum neuen James Bond machen.
Nicht schlecht ist ihr Nebenpart Omar Sy, der seine Sache wirklich ordentlich macht. Schwach hingegen ist der Oberbösewicht. Sam Worthington kann einfach nicht böse, kauft man ihm einfach nicht ab und die schwache deutsche Synchronstimme machts auch nicht besser.
Die Location Paris funktioniert ganz gut, bleibt aber zu oberflächlich. Hier hätte es einen visuellen Höhepunkt gebraucht, wie damals das Drachenbootrennen. Musikalisch war es ein Voll-Disaster. Funktionierte Marco Beltrami im letzten John Woo Film "Silent Night" noch sehr gut, um die Wortlosigkeit des Helden auszugleichen, ist es hier eine Katastrofe. Der Score ist viel zu bombastisch und zu verspielt und verstärkt die Handlung nicht, sondern erdrückt sie. Oft hat man den Eindruck, hier würde eine Oper abgespielt werden und die Actionszenen dienen nur dazu, das visuell etwas zu untermalen. Sollte eigentlich andersrum sein. In den ruhigerern Momenten erinnert die Musik mehr an 70er Jahre-Kost von Ennio Morricone. Ist hier aber völlig deplaziert.
Insgesamt wirkt alles viel zu gelackt, zu mainstreamlastig, zu gewollt, zu künstlich. Obwohl viel gestorben und geblutet wird, fehlt so eine gewisse Härte. Auch fehlt die Melancholie des Originals und das Ende ist hier ein Happy End.
Wie bewertet man das jetzt also? Als Remake 0 Sterne, als eigenständigen Film mit 6 Sternen, weil man ihn schon gucken kann. Wer aber das Original kennt, wird enttäuscht sein.