Cocktails & Shock Tales
„Blink Twice“ (der der Legende nach einst „Pussy Island“ heißen sollte und deutlich vor den vielen skandalösen, nebulösen Enthüllungen rund um Epstein, Weinstein, Diddy & Co. geschrieben worden sein soll!) erzählt von zwei unbekannten Kellnerinnen, die mit etwas Mut und Glück auf der paradiesischen Privatinsel eines berüchtigten Tech-Milliardärs landen. Ohne Handys und Kontakt zur Außenwelt. Mit ein paar berühmteren Promis, Models und aufstrebenden Talenten. Zuerst wird gefeiert, geflirtet, geschmaust. Doch schnell kommen Gedächtnislücken auf und es wird klar, dass hier nicht alles ganz koscher ist…
Ein Nepobaby gegen die eigene Zunft
„Blink Twice“ sieht die ganze Zeit schnieke aus. Zoë (nur echt mit Doppelpunkt über dem E!) Kravitz hat definitiv ein Auge für Schönheit, Stil, Farben und Klamotten. Wie könnte sie das auch nicht in ihrer Branche und mit ihrer gesellschaftlichen Stellung. Noch klarer und cooler sieht’s bei der sehr souligen, funky Musik aus. Was denke ich noch klarer bei ihrer Familie und ihrem Daddy sein sollte. Dennoch sind das audiovisuelle Auffälligkeiten und Pluspunkte, die ihrem ambitionierten Regiedebüt zwischen Horror, Satire, Mystery und schwarzem Humor gut tun. Sehr hell, sehr klar, sehr knallig, sehr gut für's Auge. Natürlich auch die Leute zum Großteil - was eine illustre Runde! Vor allem Tatum wird hier endlich mal von der Leine gelassen und spielt gegen seinen Strich - stark! Aber auch die weibliche Hauptfigur hat genug Tiefe und Facetten um ihr ein Happy End zu wünschen. Ein wenig lange braucht der südseeliche Thriller um in die Gänge zu kommen geschweige denn die (für viele absehbaren) Karten auf den Tisch zu legen. Die Triggerwarnung zu Beginn hätte ich nicht gebraucht. Doch wenn es dann rund geht, dann gibt’s durchaus ein paar fiese filmische Hopser und Purzelbäume. Dann wird’s blutig, kämpferisch und natürlich bei dem Thema auch mutig. Gerade für Kravitz, wenn sie sicher etwas aus dem perversen Nähkästchen der „Elite“ plaudert. Da hätte man sogar sicher noch deutlicher die Bremsen rausnehmen können und richtig böse Scheisse durchziehen und zeigen können. Doch auch so trifft das schon einen wunden Punkt, lässt Köpfe schütteln und macht „Spaß“ als Entblößung. Wenn man das bei dem Thema so ausdrücken kann. Gerade zum Thema „Macht, Scheinheiligkeit und dumme Ideen meiner Meinung nach auch durch zu viel Geld und Langeweile (!) der Elite“ hat „Blink Twice“ die ein oder andere Narbe zu erklären. In den besten Momenten kommen Gedanken an „Knives Out“ oder Jordan Peele auf. Ohne komplett deren Brillanz und Raffinesse zu erreichen. Kravitz hatte aber definitiv gute Lehrmeister und eine Vision obendrauf. Daher bin ich weitestgehend zufrieden - auch wenn etwas arg lang „Party“ gemacht, geraucht und gekichert wird, fast zwei Drittel vergehen bevor man warm gelaufen ist. Aber dieses Nasenrumpfen und diese Redundanz wird von der edlen Optik wie gesagt gut abgefedert und das alles gehört wohl auch zu einem solchen ungesunden Exzess dazu.
Abarty Whiteparty
Fazit: kein perfektes, in der ersten Hälfte arg gemächliches, aber insgesamt erstaunlich sonniges, stilsicheres, bissiges und glasklares Mysterythrillerregiedebüt von der „kleinen“ Kravitz - „Blink Twice“ sollte man nicht wegblinzeln dieses Kinojahr!