To Play or Not To Play… Das ist hier die Frage
„Grand Theft Hamlet“ ist ein innovativer und absolut sehenswerter Mix aus Doku, Videospiel(-Let's Play), Chaos, virtuellem Castingprozess, Theateraufführung, Brückenbau zwischen Kunstformen und (Pandemie-)Metakommentar - und diese Dichte an Stilen, Themen und Ebenen hat mich in nichtmal 90 Minuten dann doch ziemlich positiv überrascht, umgehauen, top unterhalten… und sogar echt berührt! Im Grunde geht es um die Planung und die Durchführung des berühmten Theaterstücks von Shakespeare innerhalb von „GTA Online“ - mit vielen Fremden, mit vielen Unberechenbarkeiten, mit viel Ehrlichkeit, den Stimmen hinter den Avataren und mitten in einer der ungewissesten Zeiten seit Jahrzenten…
Die Zukunft? Von Videospielen? Von Theater? Von Dokus? Von Filmen? Von Menschen?
Was hatte ich erwartet? Im Grunde das komplette, gestraffte Theaterstück „Hamlet“ komplett in „GTA Online“-Umgebung. Was habe ich stattdessen bekommen? Nur sehr überschaubare Ausschnitte davon. Und dafür viel wesentlich kostbarerer „Hinter-den-Kulissen“-Stoff über die Entstehung und Planung eines solchen Projekts. Über die Leute, Schicksale und Gefühle dahinter. Über die „Ausnahmesituation Pandemie“. Über das Hobby Videospiele und die Leidenschaft Shakespeare. Über die verbindenden Möglichkeiten von Onlinegaming. Voller Videospiel-Situationskomik und absurdem Herausreißen aus den Proben, aus dem Casting, aus dem echten Leben. „Grand Theft Hamlet“ ist sicher nicht perfekt. Aber er tut gut wie bolle. Er macht richtig Spaß. Und vor allem - gerade wenn man zwischen den virtuellen Teilen liest - kann er einen auch wahrhaft berühren. Gamer oder nicht.
Fazit: viel lustiger, profunder, persönlicher und eventuell sogar wegweisender als man meinen könnte… ein unfassbar interessantes, kunstformenumspannendes (!) und für die Macher lebensveränderndes Projekt!